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Dienstag, 13. Dezember 2016

Erschreckender Wissenschaftsthriller

In seinem Wissenschaftsthriller „Helix“ widmet Marc Elsberg sich dem aktuellen Thema der Genmanipulation. Es geht um Nutzpflanzen und -tiere, die in Brasilien, Tansania und Indien auftauchen, die es aber eigentlich nicht geben dürfte. Einen US-Außenminister, der während eines Staatsbesuches in München stirbt und auf dessen Herz ein Totenkopf erscheint. Schließlich geht es um Helen und Greg, die sich nach vergeblichen Bemühungen um eine Schwangerschaft an eine Kinderwunschklinik in Kalifornien wenden und Teil eines Forschungsprogramms werden, das sonderbegabte Kinde hervorzubringen verspricht. Diese unterschiedlichen Erzählstränge werden von Elsberg zusammen geführt, doch wie, das wird hier natürlich nicht verraten. 


Helix ist das erste Buch von Elsberg, das ich las. Die kurzen Kapitel beschleunigten einerseits den Lesefluss, andererseits erschwerten sie aber auch den Überblick aufgrund der stetig wechselnden Perspektiven. Mir fiel es auch etwas schwer bei den genannten Organisationen, Wissenschaftstermini und Abkürzungen den Überblick zu behalten. Die Thematik ist hochaktuell und auch spannend. Streckenweise entwickelt sich die Story zu einem Action Thriller, was mir persönlich nicht so zusagte, unter anderen auch deswegen weil das Geschehene mitunter recht unrealistische Züge annahm. Die Grundidee fand ich aber sehr spannend und auch erschreckend realitätsnah. Allein deswegen erwies sich die Lektüre für mich als lohnend, auch wenn ich das Buch leider nicht uneingeschränkt weiter empfehlen kann. 

3 Sterne

© Britta Kalscheuer

Helix von Marc Elsberg
ISBN: 978-3-7645-0564-6



Dienstag, 15. November 2016

Bodensteins vorläufig letzter Fall

„Im Wald“ ist der 8. Fall, in dem Oliver von Bodenstein und Pia Sander gemeinsam ermitteln. Es soll der vorerst letzte Fall für Oliver von Bodenstein sein, der dann ein Jahr Pause einlegen will. Ein kniffliger Fall. Es geht um Brandstiftung mit einem Toten und die spätere Ermordung der bereits im Hospiz befindlichen, todkranken Eigentümerin des Wohnwagens, der in Flammen aufging. Unter Verdacht gerät schnell ein junger Mann, der eine Bewährungsstrafe erhalten hat und nun untergetaucht ist. Spuren führen aber auch zu einem lange zurückliegendem Fall aus dem Jahr 1972, bei dem es ausgerechnet um das rätselhafte Verschwinden von Oliver von Bodensteins bestem Freund Arthur ging. Dieser Fall ist also eine ganz besondere Herausforderung für den Ermittler, der die Leitung deswegen auch an seine kompetente Kollegin Pia Sander deligiert. Werden die Beiden den Fall gemeinsam lösen können? 


„Im Wald“ ist der erste Krimi, den ich von Nele Neuhaus las. Das Buch lies sich auch ohne Kenntnis der Vorgängerbände gut lesen. Es hat mich von der ersten bis letzten Seite in seinen Bann gezogen. Für ein solch umfangreiches Werk mit ca 550 Seiten gab es erfreulich wenig Längen. Anfangs tat ich mich ein bißchen schwer mit der Vielzahl der involvierten Personen. Das vorangestellte Personenregister war in diesem Zusammenhang recht hilfreich. Ich kam dann aber sehr gut in die Geschichte hinein. Mein Anfangsverdacht hat sich natürlich schnell zerschlagen und alles hat sich als recht verzwickt und komplex erwiesen. Dennoch überzeugt die Auflösung. Die Charaktere wurden alle gut ausgearbeitet und glaubhaft dargestellt. Dies gilt nicht nur, aber auch für die beiden im Vordergrund stehenden Ermittler. Der Krimi hat mir sehr gut gefallen, weswegen ich nun zum Anfang der Reihe zurückgehen und die Vorgängerbände lesen werde. Ich bin nicht nur auf die Fälle selbst gespannt, sondern auch die ergänzenden Privatgeschichten von Oliver von Bodenstein und Pia Sander. Eine klare Leseempfehlung für alle Krimifans! 

4 Sterne

© Britta Kalscheuer

Im Wald von Nele Neuhaus
ISBN: 978-3-550-08055-5


Dienstag, 11. Oktober 2016

Sehr berührend!

Maisie blickt auf eine harte Vergangenheit zurück. Ihre Ehe war von Beginn an von Gewalt geprägt. Einziger Lichtblick sind die daraus hervor gegangenen Kinder: Jeremy und Valerie. Sie packen beide beherzt mit an, so dass Maisies demente Mutter zu Hause versorgt werden kann. Es ist nicht immer leicht, aber alle zusammen schaffen es. Ein Tag verändert alles: Es ist der Tag, an dem Maisie nach 17 Jahren zum ersten Mal ein Date hat und dieses genießt. Gleichzeitig ist es aber auch der Tag, an dem Jeremy verschwindet. Nun setzt Maisie alles darauf, ihn wiederzufinden. Dabei entdeckt sie Seiten an Jeremy, die ihr trotz ihres guten Verhältnisses zueinander verborgen blieben. Es ist ein Kampf, der sie an ihre Grenzen führen wird… 

„Irgendwo im Glück“ ist nach „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ das zweite Buch, das ich von Anna Mc Partlin las. Wieder hat mich die Geschichte sehr berührt und ich habe sie mehr oder weniger in einem Rutsch verschlungen. Die Protagonisten waren mir größtenteils sehr sympathisch – mit Ausnahme von Maisies gewalttätigen Exmann, versteht sich. Besonders toll fand ich das enge Verhältnis zwischen Jeremy und dessen dementer Großmutter. Das Leiden der Großmutter nach Jeremys Verschwinden fand ich herzzerreißend. Eine zeitlang habe ich mich gefragt, warum Jeremys geheim gehaltene Homosexualität einen so hohen Stellenwert einnimmt. Diese Frage wurde am Ende zufriedenstellend geklärt, so dass die Geschichte am Ende insgesamt rund ist. Die Geschichte bekommt dadurch einen unvermuteten Tiefgang und regt zum Nachdenken und Diskutieren an. Mich konnte die Autorin wieder einmal begeistern, so dass ich mich auf einige weitere, von mir bislang noch nicht gelesene Werke sehr freue. Absolute Leseempfehlung! 

5 Sterne

© Britta Kalscheuer

Irgendwo im Glück von Anna McPartlin
ISBN: 978-3-499-27223-3


Samstag, 10. September 2016

Empfehlenswerter Jugendthriller zu aktueller Thematik

Der 17jährige Jona erhält wegen seiner Hochbegabung ein Stipendium für die Universität. Solange er noch keine 18 ist, wünschen seine Eltern seine Unterbringung bei einer Gastfamilie, den Helmreichs. Jona gefällt es dort überhaupt nicht. Er ist froh, wenn er auf sein Zimmer flüchten und sich seinem Hobby widmen kann. Er hat eine Drohne, Elanus, gebaut, mit der er nun seine Mitmenschen ausspioniert. Eine heikle Entdeckung und ein paar von ihm heimlich verbreitete Zettel mit einer Anspielung sorgen in der Folge für reichlich Aufregung. Als der in die heimliche Entdeckung verstrickte Dozent in der Universität erhängt aufgefunden wird, wird es Jona Angst und Bange. Hat er etwa dessen Tod zu verantworten? Auch sonst passieren merkwürdige Dinge: Direktor Dr. Schnatter bleibt unerreichbar, der Keller der Helmreichs ist verschlossen. Jona will mithilfe von Elanus und einigen Verbündeten Licht ins Dunkle bringen. Dabei gerät er selbst in Gefahr… 

Elanus ist nach Saeculum das zweite Jugendbuch aus der Feder von Ursula Poznanski. Beide Bücher konnten mich begeistern und vollends überzeugen. Auch Elanus besticht mit einer spannenden story, die mich dermaßen in ihren Bann gezogen hat, dass ich das Buch kaum beiseite legen konnte. Auch der Schreibstil ist sehr angenehm und der Zielgruppe angemessen. Der Hauptprotagonist Jona durchläuft eine große Wandlung hin vom arroganten und überheblichen Besserwisser ohne jegliche Sozialkompetenz zu einem durchaus sympathischen und zumindest reflektierten Zeitgenossen. Manche der Protagonisten blieben sehr geheimnisvoll, was sehr zur Spannung beigetragen hat: Wem kann Jona vertrauen, wem nicht? Bis zum Finale, das zwar nicht alle Fragen löst, aber in sich schlüssig ist, blieb diese Spannung erhalten. Absolute Leseempfehlung, nicht nur für Jugendliche! 

© Britta Kalscheuer

5 Sterne

Elanus von Ursula Poznanski
ISBN: 978-3-7855-8239-2



© Loewe Verlag

Mittwoch, 17. August 2016

Kein Entkommen

Auf den ersten Blick führt Sandra ein glückliches Leben. Gemeinsam mit ihrem Mann Ben und der gemeinsamen Tochter Ivy lebt sie in einem Traumhaus inmitten einer abgelegenen Idylle. Diese zerplatzt, als zwei Männer, entflohene Häftlinge, in ihr Haus eindringen und sie gefangen nehmen. Eine Flucht ist zwar geplant, scheitert aber an den winterlichen Wetterverhältnissen. So gibt es weder für Sandras Familie, noch für die flüchtenden Häftlinge einen Ausweg. Das Ganze artet in eine Tortur aus, und Sandra wird mit den Grenzen ihres eigenen Verdrängens konfrontiert… 
„Night Falls. Du kannst Dich nicht verstecken“ ist der erste Thriller aus der Feder von Jenny Milchman, den ich las. Die Geschichte hat mich thematisch sehr angesprochen. Sie startet mit zwei parallelen Erzählsträngen: einer der die Familie vorstellt und einen, in dessen Mittelpunkt die fliehenden Häftlinge Nick und Harlan, stehen. Diese Erzählstränge werden zusammengeführt. Daneben gibt es von Zeit zu Zeit immer mal wieder eine Rückblende. Wir erfahren von Barbara und ihrer Familie. Der spätere Häftling Nick ist ihr Sohn und stellt ihre erzieherischen Kompetenzen auf die Probe. Nichtsdestotrotz ist und bleibt Nick der geliebte Sohn, der immer entschuldigt wird, während seine Schwester Cassandra eher vernachlässigt wird. Diesen Erzählstrang fand ich sehr spannend. Ansonsten leidet die Spannung mitunter sehr unter der Detailverliebtheit der Autorin. Das erzählerische Grundkonzept hat mir zugesagt, auch wenn ich Manches etwas überzogen fand. Auf den Vorgänger bin ich in jedem Fall neugierig geworden und werde ihn bei Gelegenheit sicher auch lesen. 

4 Sterne


© Britta Kalscheuer

zu

Night Falls von Jenny Milchman
ISBN: 978-3-548-28755-3





Dienstag, 12. Juli 2016

Ein Hoch auf die kleinen Glücksmomente

Isabelle ist ein Gewohnheitstier. Sie isst seit 11 Jahren in der Mittagspause stets die gleiche Nudelsuppe beim Vietnamesen um die Ecke und verpasst keine Folge ihrer Lieblingssoap. Doch dann schließt das Restaurant und auch die Soap wird abgesetzt. Isabelles ganzes Leben gerät durcheinander. Zudem kämpft Brigittes Blumenladen, in dem sie als Floristin arbeitet, ums Überleben und ausgerechnet der beauftragte Insolvenzverwalter verdreht Isabelle gehörig den Kopf. Alex scheint ihr Traummann zu sein. Doch das große BÄMM bleibt aus. Stattdessen gibt es immer mehr Glücksmomente, die mit dem neuen Restaurantinhaber Jens in Verbindung stehen. Doch das müssen die beiden Betroffenen erst einmal erkennen... 

"Glück ist, wenn man trotzdem liebt" ist das erste Buch, das ich von Petra Hülsmann gelesen habe. Es ist ein unterhaltsamer Liebesroman, der eine kurzweilige Lektüre verspricht. Mir hat das Buch gut gefallen. Über manche Szenen habe ich mich amüsieren können. Wieder Anderes war mir doch eine Schippe "too much". Gerade Isabelle als Hauptprotagonistin fand ich streckenweise sehr anstrengend aufgrund ihres für meinen Geschmack sehr unreifen Verhaltens. Jens mit seiner sehr eigenwilligen und mitunter doch auch ruppigen Art konnte ich schon mehr abgewinnen. Am liebsten war mir Merle, Jens Tochter, auch wenn ich nicht all ihr tun gutheißen kann. Das Ende ist m.E. etwas dick aufgetragen, was aber letztlich Geschmackssache ist. Ich bin sicher, dass das Buch viele begeisterte Leserinnen finden wird. 

3 Sterne

© Britta Kalscheuer

Glück ist, wenn man trotzdem liebt von Petra Hülsmann
ISBN: 978-3-404-17364-8




Samstag, 12. März 2016

Liebe mit Hindernissen


Für Fisher ist es Liebe auf den ersten Blick, als er Ivy kennenlernt. Doch bevor beide Zeit finden, einander kennenzulernen und zu prüfen, ob es eine gemeinsame Zukunft gibt, entscheidet der Zufall für sie. Ivy ist schwanger und zwar mit Zwillingen. So weicht die unbeschwerte Zeit des Verliebtheit-Seins schon bald der Auseinandersetzung mit diversen Herausforderungen, zusätzlich wird das junge Glück davon überschattet, dass Fishers Freund El sehr krank ist. Und noch bevor Ivy und Fisher richtig zueinander finden können, schlägt das Schicksal zu. Ihre gemeinsame Zukunft wird hart auf die Probe gestellt… 
Dieser Liebesroman ist anders als das farbenfrohe und blumige Cover erwarten lässt. Es ist alles andere als eine heitere Liebesgeschichte, die Andy Jones da zu Papier gebracht hat. Die Protagonisten, die in ihrem Leichtsinn nicht an Verhütung denken, sind auch nicht Jugendliche, sondern Erwachsene. Schon dies ist überraschend. Der Schreibtisch ist angenehm und flüssig zu lesen. Doch die Geschichte plätschert irgendwie vor sich hin, ist etwas schwerfällig. Leider erst gegen Ende hat mich das Geschehen emotional gepackt. Das ist mir für ein 430 Seiten umfassendes Buch dann doch zu wenig, auch wenn ich es mal interessant fand, einen Liebesroman aus männlicher Feder zu lesen. 

3 Sterne

Zwei für immer von Andy Jones
ISBN: 978-3-352-00664-7

© Britta Kalscheuer




Montag, 15. Februar 2016

Eine Liebe, die nicht sein darf

Im Mittelpunkt des Romans „Der goldene Sohn“ von Shilpi Somaya Gowda steht das Schicksal zweier Menschen, die einst durch das zarte Band einer Kindheits- und Jugendliebe verbunden waren: Anil und Leena. Doch ihre Liebe hat in der indischen Gesellschaft keine Zukunft. Ein jähes Ende findet ihr gemeinsamer Lebensweg, als Anil beschließt, seine Karriere in den USA voranzutreiben. Doch das Leben dort ist alles andere als leicht. Erschwerend kommt der Kulturkonflikt hinzu, dem Anil permanent ausgesetzt ist. Als Pendler zwischen den Kulturen bekommt er die Schattenseiten seines privilegierten Daseins deutlich zu spüren. Ferner erweisen sich die Fußstapfen, in die er nach dem Tod seines Vaters stapfen soll, als recht groß. Die von ihm erwartete Tätigkeit als Streitschlichter verlangt ihm viel ab. Doch auch Leena hat es nicht leicht; die harte Schule des Lebens in Indien bleibt ihr nicht erspart. Wie es die Tradition und Kultur Indiens verlangen, wird sie nach Kriterien der Mitgift verheiratet und muss sich dem ihr zugewiesenen Ehemann bedingungslos unterordnen. Sie spürt am eigenen Leib, was Frau-sein in der indischen Kultur bedeutet. Das ist nicht viel, denn dem westlich geschulten Auge erscheint dies als reine Sklaventreiberei. 
Mit ihrem Roman ist es der Autorin meiner Meinung nach hervorragend gelungen, ein authentisches Bild Indiens zwischen Tradition und Moderne zu zeichnen. Ferner spielen Kulturunterschiede ebenso wie kulturelles Grenzgängertum eine große Rolle. Anils und Leenas Geschichte erhält dadurch einen hohen Aktualitätsgrad. Ich konnte mich in die beiden Akteure gut hineinversetzen, habe mit ihnen gefühlt und gelitten. Dank des angenehmen Schreibtisch der Autorin war das Buch flüssig zu lesen. Ich bin nun sehr neugierig auf den Vorgängerroman, den ich recht bald lesen möchte. „Der goldene Sohn“ ist insbesondere allen Kulturinteressierten sehr zu empfehlen. 

4 Sterne

Der goldene Sohn von Shilip Somalia Gowda
ISBN: 978-3-462-04774-5


Montag, 18. Januar 2016

Versalzen

Die Fernsehköchin Gina Foston ist mit dem Prozenten ihrer Show liiert. Als sie von dessen Seitensprung mit der Frau eines Sponsoren erfährt, bricht für sie eine Welt zusammen – beruflich und privat. Die Aussicht auf eine Kochsendung beim großen TV-Sender TCC ist ein Lichtblick und Hoffnungsschimmer. Doch auch Tate Moody begehrt diesen Posten. In einem Kochduell auf einer Insel soll ermittelt werden, wer besser kocht und den Zuschlag für die geplante Sendung erhält. Gina ist gehandicapt, da Tate diese Insel bereits kennt und so über entsprechendes Insiderwissen verfügt. Zusätzlich gerät ihr Gefühlsleben mächtig in Wallung, denn plötzlich verdreht ihr Tate gehörig den Kopf… 
Mary Kay Andrews Roman „Mit Liebe gewürzt“ ist eine kurzweilige Lektüre für zwischendurch. Es ist eine Liebesgeschichte, die zeigt, dass Liebe durch den Magen geht. Mir erschien sie jedoch etwas zu „versalzen“, will heißen zu schnulzig. Vieles ist vorhersehbar und anderes erscheint mir maßlos übertrieben. Natürlich ist Geschmackssache, was eine gute Liebesgeschichte braucht. Ein Happy End gehört oft dazu, aber für mich ist vor allem der Weg dahin entscheidend. Gina und Tates Geschichte hat mich leider nicht überzeugen können. Sie war vom Schreibstil her angenehm zu lesen, aber ich empfand sie als recht langatmig und auch als zu kitschig. 

2 Sterne

© Britta Kalscheuer

Mit Liebe gewürzt von Mary Kay Andrews
ISBN: 978-3-596-06196-2


Samstag, 16. Januar 2016

Vorhersehbare Lovestory mit Hang zum Kitsch

Emma und Richard stehen kurz vor ihrer Hochzeit. Doch dann passiert etwas, was ihr Leben aus den Fugen bringt. Auf der gemeinsamen Rückfahrt mit ihren besten Freundinnen Amy und Caroline von ihrem Junggesellinnenabschied hat Emma einen Autounfall. Ein Schutzengel namens Jack eilt ihr zu Hilfe und rettet ihr Leben, doch für Amy kommt jede Hilfe zu spät. Und möglicherweise auch für ihre Ehe, denn fortan geht ihr Jack nicht mehr aus dem Kopf…. 

Nach den Lobeshymnen auf den Vorgängerroman „Die Achse meiner Welt“ war ich sehr gespannt auf diesen Roman. Erwartet habe ich eine Liebesgeschichte mit Tiefgang. Leider wurde ich enttäuscht. Der Auftakt des Buches hat mich durch die Dramatik des Autounfalls und der last minute Rettung noch packen können. Danach flachte das Buch jedoch immer mehr ab. Dies liegt jedoch nicht am Schreibstil der Autorin, der recht angenehm ist. Es liegt vielmehr an der Vorhersehbarkeit und einer stark ausgeprägten schwarz-weiß Malerei von Daniel Atkins. Sehr schnell steht fest, für wen das Herz des Lesers schlagen soll. Diese versuchte „Manipulation“ hat mich massiv gestört. Emma erschien mir zudem recht unreif in ihrem Verhalten und Urteilen. Statt einer ergreifenden Liebesgeschichte mit Tiefgang liefert die Autorin eine meiner Meinung nach durch und durch vorhersehbare und zudem kitschige Lovestory ab. Mein Fall war es nicht, auch wenn ich gerne mal eine leichtere Zwischendurch-Lektüre genieße. Nichtsdestotrotz würde ich der Autorin noch einmal eine Chance geben, um zu prüfen ob zum Beispiel „Die Achse meiner Welt“ eher meinen Geschmack trifft. 

© Britta Kalscheuer

2 Sterne

Die Nacht schreibt uns neu von Dani Atkins
ISBN: 978-3-426-51769-7


Donnerstag, 31. Dezember 2015

Ein Meisterwerk!

Die Gestirne“ spielt in Neuseeland zur Goldgräberzeit im 19. Jahrhundert. In Hokitika stößt Moody auf eine Versammlung von 12 Personen. Thema sind ungelöste Kriminalfälle, zu denen jeder eine eigene Sichtweise hat. Vieles kommt dabei ans Licht und Moody steht vor der schwierigen Aufgabe, aus den vielen Erzählvarianten die Wahrheit herauszudestillieren. 
Eleanor Catton hat diesen Roman meisterhaft komponiert. Der Roman besteht aus 12 Teilen. Diese nehmen Bezug auf Planeten und Sternen, die am Nachthimmel von Neuseeland zu sehen sind und die als Vorlage für die Einteilung und Charakterisierung der Personen im Roman dienen. Sie entsprechen den 12 astrologischen Häusern der Tierkreiszeichen. Die Logik dahinter ist bestechend, wenn auch nicht immer leicht zu erkennen.Der Roman ist sehr anspruchsvoll und nicht leicht zu lesen. Moody und der Leser werden mit zahlreichen Detailinformationen gefüttert. Rund 1000 Seiten hat das Werk und doch wird es auf keiner davon langweilig. Die Geschichte war spannend und hat mich bis zum Schluss gefesselt, auch wenn ich die Logik der Autorin nicht immer vollständig erschließen konnte. Mich hat fasziniert, wie die einzelnen Puzzleteile zusammengetragen werden und am Ende eine stringente Auflösung ergeben. Als Buch für zwischendurch ist es nicht zu empfehlen, wohl aber allen, die anspruchsvollen, spannenden Lesestoff suchen.

© Britta Kalscheuer

4 Sterne

Die Gestirne von Eleanor Catton
ISBN: 978-3-442-75479-3



Freitag, 4. Dezember 2015

Hat nicht jeder irgendwie ein Geheimnis?

Fergus erleidet einen Schlaganfall und kommt ins Pflegeheim. Seine Erinnerungen an sein Leben sind wie weggeblasen. Als seine Tochter Sabrina in seinen Kisten nicht nur eine Murmelsammlung sondern auch Archivierungslisten entdeckt, wundert sie sich über das ihr unbekannte Hobby. Einige äußerst wertvolle Murmeln fehlen und das nimmt Sabrina zum Anlass, dem Ganzen nachzugehen. Dabei stößt sie auf immer mehr Seiten ihres Vaters, die ihr völlig unbekannt sind. Es ranken einige Geheimnisse um seine Person. Sabrina muss das Bild, das sie bislang von ihren Vater hatte, aufgeben und revidieren....

"Der Glasmurmelsammler" greift ein eigentlich ernsthaftes Thema auf: den Schlaganfall und das große Vergessen als Folge desselben. Doch es geht um weit mehr: um Identität, Geheimnisse, Lebenslügen und wie all dies sich auf eine Vater-Tochter-Geschichte Beziehung auswirkt. Wie kann es sein, dass ein Vater seinen engsten Vertrauten zentrale Themen seines Lebens verschweigt? Wie sollen diese damit umgehen? Das ist ein Thema, das mich sehr angesprochen hat. Ich habe eine etwas ernster Geschichte mit Tiefgang und viel Gefühl erwartet. 

Diese Erwartungen wurden nicht ganz erfüllt. Meiner Meinung nach erfährt der Leser viel zu wenig über den nun weitgehend gedächtnislosen Vater, seine Gefühle und Gedanken. Hingegen erfährt man in Rückblicke viel über seine Vergangenheit. Doch auch darüber, wie sich dies auf die Vater-Tochter-Geschichte Beziehung auswirkt, erfährt man meines Erachtens viel zu wenig. Ich hätte mir da mehr Vater-Tochter-Geschichte Szenen und Dialoge gewünscht. Dennoch ist es eine nette, gut lesbare Geschichte mit einer sympathischen Protagonistin. Die Wende am Ende hat mir auch sehr gefallen, auch wenn mir ein abschließendes Vater-Tochter Kapitel gefehlt hat.

© Britta Kalscheuer

3 Sterne

Der Glasmurmelsammler von Cecilia Ahern
ISBN: 978-3-8105-0152-3



Montag, 16. November 2015

Gib den Mussmonstern keine Chance!

Jeder kennt sie: die lästigen Pflichten, die überall lauern: solche des Alltags wie bügeln, putzen, einkaufen etc., aber auch solche sozialer Erwünschtheit, wie beispielsweise sich vegan zu ernähren, Sport zu treiben und sich politisch korrekt zu verhalten. So unterschiedlich, wie diese lästigen Pflichten sind, so verschieden sind auch die Mussmonster, die uns täglich attackieren und ins Gewissen reden. Sie machen uns nur das Leben schwer und entfernen uns von den schönen Dingen des Lebens. 

Sean Brummel hat dies erkannt und ist damit vom Durchschnittsbürger Kaliforniens zum gefragtesten und best gelauntesten Persönlichkeitstrainer avanciert. Seine Lösungsformel ist so einfach, wie bestechend: ESMI, was so viel heißt wie: einen Scheiß muss ich!!! Unerschrocken präsentiert er uns Forschungsergebnisse, die seine diversen Thesen stützen, man muss die Statistik nur zu drehen wissen. Das Ergebnis seiner Forschungen ist ein Manifest gegen das schlechte Gewissen.

Hand auf's Herz: ESMI- das klingt doch reizvoll, oder etwa nicht? Wer von uns wird nicht ständig von diesen und jenen lästigen Alltags Pflichten bombardiert und wünscht sich nicht insgeheim, mitunter mal zu sagen: "Nach mir die Sinflut!" oder eben: ESMI!!!

Die Grundidee des Buches, die Tommy Jaud mittels seines Protagonisten Sean Brummel präsentiert, ist durchaus verlockend. Interessant auch die Vorgehensweise, Studienergebnisse derart zu drehen, dass sie das Kernargument stets unterstützen. Über lange Strecken hat mich dies amüsiert. Andererseits wiederholt sich die Argumentationsweise in jedem Kapitel. Das ist auf die Dauer doch recht langatmig und ermüdend. 

Gar nicht erschlossen haben sich mir satirische Hitler-Passagen, außer dass es vielleicht ein Plädoyer wider politische Korrektheit sein soll? Ich fand diese wiederholten Anspielungen weder wirklich für den Inhalt des Buches relevant, noch komisch. 

Insgesamt fand ich das Buch bei den bereits erwähnten Längen dennoch unterhaltsam. Wem gerade die Mussmonster zu sehr zusetzen, wer sich erdrückt fühlt von Alltagspflichten, dem sind hier unterhaltsame Schmökerstunden gewiss. 

3 Sterne

Einen Scheiß muss ich von Tommy Jaud
ISBN: 978-3-596-03227-3

© Britta Kalscheuer




Montag, 19. Oktober 2015

Die Magie hat sich nicht entfaltet

Ich habe "Big Magic" von Elizabeth Gilbert in der Erwartung gelesen, Ratschläge zu erhalten, wie man kreativer wird bzw. das eigene Leben kreativer gestalten kann. Leider war dies eine falsche Erwartungshaltung. Das Buch liest sich mehr als Selbsterfahrungsbericht, wie die Autorin selbst zur erfolgreichen Autorin wurde. 

Das Buch liest sich vom Schreibstil her gut, allerdings habe ich die permanenten Wiederholungen als recht mühsam und die Ideen als doch recht esoterisch empfunden. Die Magie ist einfach nicht auf mich übergeschwappt. Ich bin aber auch der Meinung, dass Kreativität für mich nicht das non plus ultra ist, an dem all mein Glück und meine Zufriedenheit hängen. Gilberts zum Teil steiniger Weg zum Erfolg war wiederum interessant, aber würde mich das näher interessieren, würde ich zu einer Autobiografie greifen. 

Letztlich bleibe ich sehr enttäuscht zurück. Das Buch ist weder ein gehaltvoller und anregender Ratgeber zum Thema Kreativität, noch ein Selbstbericht über den Weg zur erfolgreichen Schriftstellerei. Vielleicht wäre Gilbert besser bei der Belletristik geblieben. 
 
2 Sterne

© Britta Kalscheuer

Big Magic von Elizabeth Gilbert
ISBN: 978-3-596-03370-6


Enttäuschende Dystopie

"Das Licht der letzten Tage" ist eine Dystopie. Es geht um den Ausbruch der Gregorianischen Grippe, die dadurch ausgelöste Endzeitstimmung und deren Konsequenzen. Eine Story, die zunächst einmal spannend klingt. ich kenne noch nicht allzu viele Dystopien, und so war ich auf diese hier sehr gerade auch wegen der überaus positiven Kritiken gespannt. Ich habe eine anspruchsvolle Endzeitgeschichte, vielleicht vergleichbar mit Saramagos "Die Stadt der Blinden" erwartet - eine hohe Erwartungshaltung, denn "DIe Stadt der Blinden" gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Leider erwies sie sich als zu hoch.

Der Sprachstil an sich gefällt mir sehr gut. Ebenso gefällt es mir, dass die Geschichte auf zwei Ebenen angesiedelt ist. Eine Perspektive handelt von dem Leben vor dem Ausbruch der Epidemie, die andere von dem Leben danach. Leider habe ich die Erzählung über weite Strecken als sehr langatmig und mühsam empfunden. Mit den Protagonisten hatte ich auch so meine Probleme, insbesondere die Mitglieder der Symphonie waren mir irgendwie zu abstrakt. So fiel es mir sehr schwer, in die Geschichte hineinzufinden. Spannend wurde es, wo es um die konkreten Auswirkungen der Epidemie und den Überlebenskampf der Protagonisten ging. Davon hätte ich sehr gerne mehr gelesen.

Kein schlechtes Buch, aber eines, das mich nicht wie erwartet fesseln konnte. Aufgrund des schönen Sprachstils und der Grundidee würde ich weiteren Büchern der Autorin aber auf jeden Fall eine Chance geben. 
 
3 Sterne

© Britta Kalscheuer

Das Licht der letzten Tage von Emily St. John Mandel
ISBN: 978-3-492-06022-6


Freitag, 18. September 2015

So lala

„Oma lässt grüßen uns sagt es tut ihr leid“ erzählt die Geschichte einer einzigartigen Beziehung zwischen Oma und Enkel. Elsa ist 7 und ein besonderes Kind, nicht nur weil Oma ihr einziger Freund ist, sondern auch da sie eine wandelnde Wikipedia Enzyklopädie ist und Super Helden liebt. Gar nicht so einfach, als ihre Oma, ihre Heldin des Alltags stirbt. Zu Lebzeiten hatte sie ihre Enkeln mit Märchen aus dem Fast-noch-wach-Land Land verzaubert und für allerlei Aufregung und Abenteuer gesorgt. Doch Oma hinterlässt Elsa auch eine Schnitzeljagd, auf die Elsa sich willigt einlässt. 
Frederik Backmans Geschichte verwebt Märchen uns Realität auf einzigartige Weise. Von der Idee her, gefällt mir dies sehr gut. Leider aber, waren mir die Märchen zu fantasylastig, der Realitätsbezug blieb stets etwas rätselhaft. Auf diese Weise blieb mir das Fast-noch-wach-Land streckenweise sehr fremd, der tiefere Sinn blieb mir des Öfteren verborgen. Sehr gerne hätte ich mehr über Omas und Elsa Beziehung und deren Abenteuer gelesen. Diese Stellen haben mir besonders gut gefallen. Elsa erschien mir für ihr Alter zwar mitunter etwas unrealistisch weit voraus, dennoch fand ich viele ihrer Ausführungen erhellend, zumindest erfrischend. Einige Stellen haben mich ins Schmunzeln gebracht. 
Das Buch war okay konnte mich aber nicht begeistern. Vielleicht war es einfach die falsche Zeit für dieses Buch. Dem Vorgänger werde ich sicher noch einmal eine Chance geben. 

© Britta Kalscheuer

3 Sterne

Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid von Fredrik Backman
ISBN: 978-3-8105-0481-4


Freitag, 11. September 2015

Unkonventioneller Thriller mit Sogwirkung

„Totenhaus“ ist der zweite Band der Trilogie rund um die Bestatterin Blum. Es empfiehlt sich, den Vorgänger „Totenfrau“ zuvor zu lesen, da der 2. Band an das Geschehen dort anknüpft. Wesentliches wird zwar zusammengefasst, aber es fällt sicher leichter, sich in Blum hineinzudenken, wenn man die Vorgeschichte kennt. Ohne Kenntnis derselben könnte die Protagonistin etwas blass, der Plot vielleicht etwas dünn erscheinen. 
Nachdem ich schon von „Totenfrau“ begeistert war, hat mich auch der zweite Band aus Aichners Feder wieder fasziniert. Der Schreibstil ist etwas ungewöhnlich, doch genau dies gefällt mir ausgesprochen gut. Ich war gleich in der Geschichte drin. Der Prolog beschreibt eine scheinbar aussichtslose Situation Blums und ich hatte gleich richtig vermutet, dass die Geister der Vergangenheit dahinter stecken. Blum hat nämlich 5 Menschen auf dem Gewissen, deren sterbliche Überreste sie Särgen Verstorbener beigelegt hat. Bei einer Exhuminierung auf dem Innsbrucker Friedhof werden in einem Sarg 2 Köpfe und 4 Beine gefunden. Nach Blum wird gefahndet und sie sucht Unterschlupf in einem Hotel, das seine ganz eigene Geschichte hat. 
Mehr möchte ich hier gar nicht verraten, da die Gefahr besteht, zu viel preiszugeben – gerade auch wenn der 1. Band nicht bekannt ist. Ich kann nur sagen, dass mich Aichners Thriller wieder einmal restlos begeistert hat und ich nun dem Erscheinen des dritten Bandes ungeduldig entgegen hibbel. Die Spannung baut sich etwas langsamer auf als gewohnt, dennoch konnte ich das Buch kaum zur Seite legen. Das Geschehen hat mich ganz in seinen Bann gezogen. Mit der Bestatterin Blum hat Aichner einen eigenwilligen und recht schrägen Charakter geschaffen, der gleichzeitig fasziniert und abstößt. 
Gerne empfehle ich das Buch weiter, an dem Thrillerfans mit einer gewissen Offenheit für Unkonventionelle sicher ihre wahre Freude haben werden. 

© Britta Kalscheuer

5 Sterne

Totenhaus von Bernhard Aichner
ISBN: 978-3-442-75455-7



Donnerstag, 30. Juli 2015

Sommerleichte Lektüre

„Das Meer in Deinem Namen“ erzählt die Geschichte zweier Frauen, die zumindest auf den ersten Blick nichts gemein haben: Carly und Henny. Carly fühlt sich zum verheirateten Professor vielleicht mehr hingezogen, als ihr gut tut und so kann sie ihm nicht den Wunsch abschlagen, sich um den Nachlass von Henny zu kümmern – einer ihr unbekannten Frau. Überraschenderweise entdeckt Carly während ihrer Arbeit aber immer mehr Gemeinsamkeiten mit Henny. Während sie sich um deren Nachlass kümmert, stößt sie auf immer mehr Geheimnisse. Ihre Reise in Hennys Vergangenheit ist aber gleichzeitig die Auseinandersetzung mit eigenen, in der Vergangenheit verwurzelten Ängsten und mit der eigenen, noch ungewissen Zukunft. 
Patricia Koelle hat einen stimmungsvollen Roman geschrieben, der die Sehnsucht nach dem Meer weckt und sich perfekt als Sommerlektüre eignet. Die Geschichte wird zwei verschiedenen Perspektiven erzählt, die am Ende zusammenlaufen. Das hat mir gut gefallen. Die Charaktere sind sehr lebendig und vielschichtig, Landschaftsbeschreibungen sehr detailliert. Der Schreibstil ist sehr angenehm. Dennoch konnte mich die Geschichte leider nicht hundertprozentig packen. Die beiden Nachfolger werde ich mir dennoch ansehen, denn ich bin neugierig, wie der Faden weiter gesponnen wird. 

3 Sterne

© Britta Kalscheuer

Das Meer in deinem Namen von Patricia Koelle
ISBN: 978-3-596-03188-7


Mittwoch, 10. Juni 2015

Hätte mir noch mehr Tiefgang gewünscht (Gastrezension)

Ein überraschender Brief und zwei Steine bringen das Leben der TV-Moderatorin Hannah Farr gehörig durcheinander. Nach so langer Zeit bittet ihre ehemalige Schulkollegin Fiona Knowles sie um Vergebung für ihre damaligen Sticheleien und Hetzjagden. Doch auch nach all den Jahren tut sich Hannah noch schwer, ihr zu vergeben, denn Fiona hat durch ihr Verhalten damals ohne ihr Wissen Dinge in Gang gesetzt,die ihr Leben von Grund auf verändert haben. Nach und nach erst wird Hannah bewusst, dass die Dinge mitunter anders sind, als sie scheinen. Und so sind die von Fiona erhaltenen Versöhnungssteine für Hannah Anlass, sich auf ihr eigenes Leben zu besinnen und sich auf die Suche zu begeben: die Suche nach ihrer verloren geglaubten Mutter und sich selbst.
Spielmans Buch "Nur einen Horizont entfernt" ist eine anrührene Geschichte über eine Mutter-Tochter Beziehung sowie die Themen Schuld und Vergebung. Die Geschichte hat mich in ihren Bann gezogen und zum Nachdenken angeregt. Die Protagonisten sind plastisch beschrieben, so dass man sich mit einigen mehr (Dorothy), mit anderen weniger (MIchael, Claudia) anfreunden kann. Die Autorin hat zwar einige überraschende Wendungen eingebaut, doch ich fand die Geschichte insgesamt recht vorhersehbar. Dies hat den Lesegenuss etwas getrübt, zumal mir auch die Tendenz zu Schwarz-Weiß-Malereien nicht zugesagt hat. Dennoch freue ich mich auf das neue Buch der Autorin, das dann hoffentlich noch etwas mehr Tiefgang hat.

3 Sterne

© Britta Kalscheuer

Nur einen Horizont entfernt von Lori Nelson Speilman
ISBN: 978-3-8105-2395-2




Sonntag, 17. Mai 2015

Nicht so ergreifend wie gedacht

Die 16jährige Aysel leidet unter Depressionen. Ihr Herz erscheint ihr wie ein schwarzes Loch, das alles zu verschlingen droht. Ihre Lebensfreude hat die schwarze Qualle namens Depression aufgesaugt, ihr Leben erscheint ihr nicht mehr lebenswert. Als sie über ein Forum für Selbstmörder den 17jährigen Roman kennenlernt, scheint ihr Schicksal besiegelt zu sein: Gemeinsam planen die Beiden ihren Selbstmord. Doch je näher der Termin Ihres Vorhabens rückt, desto mehr Zweifel umtreiben Aysel. Warum Roman sein Leben beenden möchte, bleibt ihr schleierhaft und in ihrem eigenem Leben haben Lichtschimmer und Hoffnung inzwischen Einzug erhalten. Und so beginnt Aysel für einen Ausweg zu kämpfen; für sich und für Roman, zu dem sie sich immer mehr hingezogen fühlt... "Mein Herz und andere schwarze Löcher" greift ein sehr ernstes Thema auf: das der Depression und der Todessehnsucht. Es handelt sich um ein Jugendbuch, das leicht und verständlich geschrieben ist. Der Autorin gelingt es, das Innenleben der beiden Hauptprotagonisten, Aysel und Roman, so anschaulich zu beschreiben, dass der Leser einen tiefen Einblick in deren Gefühlswelt bekommt. Im Verlauf der Geschichte erfährt man immer mehr über die Beweggründe der Beiden, ihrem Leben ein Ende setzen zu wollen. Es ist eine emotionale Geschichte, die Jugendliche sicher packt und zum Nachdenken anregt. Mich persönlich hat die Geschichte nicht so aufgewùhlt, wie ich es erwartet hatte. Insbesondere Aysels "Leidensgeschichte" empfand ich als etwas übertrieben, den Selbstmordgedanken konnte ich ihr von Anfang an nicht richtig abkaufen. Ich hatte immer den Eindruck, dass ihre momentane Depression relativ schnell überwunden werden könnte, wenn es ihr gelänge, im Leben mehr Anerkennung und Liebe zu spüren. Ob dem letztlich so ist, muss der Lesen natürlich selbst herausfinden. Lesenswert ist die Geschichte allemal.

3 Sterne

© Britta Kalscheuer

Mein Herz und andere schwarze Löcher von Jasmin Warga
ISBN: 978-3-7373-5141-6