Samstag, 13. Dezember 2014

Schnee-Melancholie

Am Tag des letzten Schnees, am ersten Mai, verunglückt der Vater Lasse Eckholm mit dem Auto. Bei ihm war seine Tochter Anna. Eckholm ist nahezu unverletzt, seine 11jährige Tochter aber stirbt. Obwohl für Unfälle mit Fahrerflucht nicht zuständig, übernimmt Kimmo Joentaa die Sache. Dunkel erinnert er sich an den Namen Eckholms, er kennt die Familie, er kannte auch Anna. Helfen allerdings kann er kaum. Lasse und Kirsti sind wie erstarrt. Wenig später werden zwei Tote auf einer Parkbank gefunden, die offensichtlich keines natürlichen Todes gestorben sind. Ein Fall, der nichts als Rätsel aufgibt, denn die Toten sind nicht dort gestorben, wie aus dem Nichts sind sie aufgetaucht. 

Verschiedene Handlungsstränge führen zu einem schaurig schönen Finale. Kimmo Joentaa, der traurige Kommissar, seine erste Frau bereits vor einigen Jahren verstorben, aber in seinem Herzen unvergessen, seine jetzige Freundin da oder nicht da, immer für eine Überraschung gut. Die abgrundtief trauernden Eltern, Lasse, der sich Vorwürfe macht, weil sein Kind nicht angeschnallt war, der sich noch mehr Vorwürfe macht, weil eine Einladung für seine Tochter, bei einer Freundin zu übernachten, nicht angenommen hat. Die beiden geheimnisvollen Toten, eine junge Frau, ein Mann, wobei die Frau (in Rückblenden) eine eigene Geschichte hat. Und die Geschichten, die nicht erzählt werden oder die woanders stattfinden.


Wenn man sich auf die Bücher des Autors, die eigentlich immer eine winterlich-melancholische Stimmung hervorrufen, auch wenn sie wie dieses im finnischen Sommer angesiedelt sind, einlassen kann, wird man ein herausragendes stimmungsvolles Leseerlebnis haben. Trauer und Hoffnung beides strömt zwischen den Zeilen und nimmt einen gefangen, lässt einen eintauchen in eine Welt von Helden, denen man ein glücklicheres Leben wünschen würde, die aber an ihrer eingetrübten Welt wachsen müssen, wobei die kommenden Ereignisse den Gewesenen einen Sinn geben, auch wenn man sich noch so sehr gegen die Ungerechtigkeit sträubt. Eine Lektüre, die einen für eine Weile der Welt entrückt.

Tage des letzten Schnees von Jan Costin Wagner
ISBN: 978-3-86971-017-4

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Pfälzer Morde

Die Kommissarin Emma Hansen begrüßt die Menschen mit einem ungewöhnlichen „Hej“, doch nicht das ist es, was sie zu einer herausragenden Ermittlerin macht, sondern ihr untrügliches Bauchgefühl. Ihr zweiter Fall führt sie in ein kleines Winzerdorf namens Burrweiler in der Pfalz. Dort wird ein Winzer von seinem eigenen Trecker überrollt. Und noch tags zuvor hatte er den Weinberg der örtlichen Klinik für eine Erweiterung versprochen. Das jedenfalls hat der Pastor behauptet und auch gleich in die Zeitung setzen lassen. Schnell stellt sich heraus, dass es bei dem Todesfall nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann. Doch da der Tote eher unbeliebt war, könnten viele der Dorfbewohner ein Motiv haben.

Emma Hansen konnte die Probleme mit ihrem Vater nicht mehr lösen und nun muss sie auch noch mit einem neuen Partner zusammenarbeiten. Als sie feststellt, dass sie den Neuen schon von ihrer Freizeitbeschäftigung, dem Tanzen, kennt, ist sie nicht sonderlich begeistert. Außerdem verhält sich der neue Kollege Matthias manchmal nicht ganz so wie Emma es von einem Kommissar im Einsatz erwarten würde. Er macht pünktlich Feierabend, so etwas gibt es bei ihrer Arbeit doch eigentlich nicht. 


Ein spannender Fall, der letztlich das ganze Dorf betrifft, und ein Team aus zwei Kommissaren, die sie erstmal zusammenraufen müssen, eine schöne Mischung, die einen sehr lesenswerten Krimi ergibt. Dabei macht einen die dörfliche Enge manchmal schaudern und man müht sich Mitleid mit den Opfern zu empfinden, obwohl man lieber sagen würde, recht geschehen. Hinzu kommen die privaten Lebensumstände, die wie im wahren Leben mal von Höhen, mal von Tiefs bestimmt werden. Und so malt der Autor ein sehr stimmiges Bild von seinem Kommissaren-Team bei den ersten gemeinsamen Ermittlungen. Davon möchte man mehr, und das kann man wie bei einer Reihe üblich auch bekommen. 

Und die Schuld trägt deinen Namen von Jörg Böhm
ISBN: 978-3-765-08805-6

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Zwillingsschwestern

Alex Fallon reist in die amerikanische Kleinstadt Dutton, um sich um die kleine Tochter ihrer Stiefschwester Bailey zu kümmern. Das vierjährige Mädchen ist traumatisiert und völlig verstört, musste sie doc miterleben wie ihre Mutter entführt wurde. Und nun schweigt die Kleine. Zum Glück hat Alex etwas Hilfe in Meredith. Auch Alex hat  in ihrer Jugend schwere Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Ihre Zwillingsschwester Alicia wurde grausam ermordet und Alex wurde damals mit einer Barbituratvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Noch immer hört sie Schreie. Und  wieder geschehen ähnliche Morde wie damals. Alex befürchtet Bailey könne eines der Opfer sein. Um dies ausschließen zu können, wendet sie sich an die örtliche Polizei und lernt die attraktiven Daniel Vartanian kennen.

Bei dem Hörbuch handelt es sich um den zweiten Teil der Vartanian-Trilogie, der Bestandteil eines Hörbuchschubers der Autorin ist. Schade, dass nicht die gesamte Trilogie in dem Schuber zusammengefasst wurde. Dennoch kann man das Hörbuch, dass von Nicole Engeln sehr ansprechend vorgetragen wird, auch ohne Vorkenntnisse hören und verstehen. Bezüge zum Vorgängerband werden hinreichend erläutert. Allerdings merkt man der Handlung schon an, dass hier weit über 600 Seiten in fünf CDs zusammengefasst wurden. Manche Schnitte waren da etwas zu hart und der Zusammenhang ging manchmal verloren. Doch im großen und ganzen wurde der Spannungsbogen gewahrt und die Handlungsstränge laufend fortgeführt. 


Alex arbeitet sehr an ihrem Trauma und wird in ihrem Bemühen auch um die kleine Hope sehr sympathisch. Gemeinsam mit Detective Vartanian versucht sie Licht in das Dunkel zu bringen und ihre Stiefschwester zu finden, immer in der Angst, dass diese sich schon unter den Opfern befinden könnte. Ein sehr gut gelesenes und spannendes Hörbuch, dass allerdings in einigen Bereichen ein wenig weit hergeholt schien.

Todesbräute von Karen Rose
ISBN: 978-3-7857-4767-4 (Schuber)

Sonntag, 7. Dezember 2014

Love rainy Days

So besonders toll läuft Ellis Rogers Leben nicht, er hat gerade erfahren, dass seine Lungenkrankheit in Kürze tödlich enden wird, er findet eher zufällig heraus, dass seine Frau ihn betrogen hat, er gibt sich die Schuld am Tod seines Sohnes und übrigens hat seine Frau ihm mit seinem besten und einzigen Freund betrogen. Alles Gründe, die Zeitmaschine auszuprobieren, die er gebaut hat. Nichts hält ihn mehr. Zweihundert Jahre in die Zukunft, das sollte reichen, um eine Heilung für die Krankheit zu finden und die Welt ist dann auch nicht so anders, bestimmt. Er startet die Maschine und sie funktioniert. Als Ellis Rogers jedoch in der Zukunft ankommt, landet er in einer Art Urwald. Wo ist denn die Zivilisation geblieben? Irritiert macht er sich auf die Suche, um in einem Museumsort zu landen, den es auch schon zu seiner Zeit gab. Eben dort trifft er auch auf die Wesen der Zukunft, die den überwiegenden Teil aller Individualität eingebüßt zu haben scheinen. Dennoch ist er gezwungen, einen Mord zu beobachten. Diesen untersuchen soll der Gutachter Pax, welcher Ellis dann in die Hollow World führt.

Reisen in die Zukunft sind und bleiben, glaube ich, ein Gedankenspiel. Dennoch ist es interessant zu lesen, wie sich ein Autor diese Zukunft vorstellt. Krankheiten, Krieg, Armut, Hunger, Tod - alle Probleme der Welt sollen überwunden sein. Um den Preises eines totalen Verlustes der Individualität, sogar der Unterschied zwischen den Geschlechtern - aufgegeben. Alles wandelnde Kens, denkt Ellis Rogers. Und doch so schlecht ist die Hollow World nicht. Doch die Pläne des Kollektivs gehen weiter, so soll auch noch das selbständige Denken aufgegeben werden, die Gehirne zu einem Superbrain verknüpft werden. Assimiliere dich - der Gedanke ist sogar für etliche Bewohner der Hollow World etwas schauerlich. Kann die Konfrontation mit der alten Welt, die Ellis Rogers, der sich bei seiner Zeitreise um schlappe 1.800 Jahre verrechnet hat, vertritt, zu einer Lösung führen?


Schön gelöst hat der Autor die Probleme der Bewohner seiner utopischen Zukunftswelt. Zwar muss Ellis Rogers in etlichen Bereichen über sich hinauswachsen, doch er lernt die Liebe kennen, wie es ihm in unserer Welt nicht vergönnt war und er erfährt, was es heißt, den Regen zu lieben.

Hollow World von Michael J. Sullivan
ISBN: 978-1-9374-7576-5

Die Furcht

Kommissar Nils Trojan leidet unter Panikattacken, Albträume quälen ihn, er kommt nicht zur Ruhe. Seit seiner Scheidung hat er niemanden zum Reden, seine Affäre mit Doro zählt irgendwie nicht. Heimlich geht er zu einer Psychologin, auf der Dienststelle soll es niemand wissen. Er will voll einsatzfähig sein, um nicht in eine andere Abteilung versetzt zu werden. Als er an den Schauplatz eines Mordes gerufen wird, kann er den Anblick der grausam zugerichteten jungen Frau kaum ertragen. So wie das Opfer zur Schau gestellt wird, könnte alles auf den Start einer Serie hindeuten. Nicht auszudenken, dass es weitere Opfer geben könnte.

Kann das gut gehen? Ein Kommissar mit Problemen, von denen man sich fragt, wie er da seine Kraft voll für die Lösung des Falles einsetzen soll. Was, wenn ihn während einer Verfolgungsjagd eine Attacke heimsucht? Noch meistert Nils Trojan seinen Job, wobei ihm seine Psychologin eine Stütze ist. Allerdings verlangen ihm Fall und Täter alles ab. Die Nerven spannen sich auch beim Lesen mit jeder neuen Wendung, mit jeder neuen Spur, die der Kommissar aufnimmt und die dann häufig nicht wirklich weiterführt. Eigenartig Verhörmethoden führen den Kommissar nicht wahrhaft weiter. Man kann die Angst des Ermittlers, zu versagen, gut nachvollziehen. Er will den Täter fangen, ihn einer gerechten Strafe zuführen und weiteres Unheil verhindern. Ein Scheitern wäre schwer zu ertragen. 


Es zieht einen in seinen Bann dieses Buch, einmal begonnen ist es schwer, es aus der Hand zu legen. Bestens geeignet, es in einem Rutsch zu inhalieren. Kaum vorstellbar allerdings, dass ein Ermittler mit doch erheblichen Problemen einfach so weiterarbeitet. Auch einige zufällig scheinende Zusammenhänge wirken etwas konstruiert. Als spannender und rasanter Thriller gelesen jedoch eine tolle Empfehlung des Genres.

Der Federmann von Max Bentow
ISBN: 978-3-442-47882-8

Samstag, 6. Dezember 2014

Eine explosive Mischung

Eigentlich ist Schleswig ein eher beschauliches Städtchen in Norddeutschland. Als Lucie nach ihrem Architekturstudium eine Stelle dort bekommt, ist sie eigentlich froh der Hektik der Großstadt entfliehen zu können. Schnell findet sie Anschluss, wobei sie sich besonders gut mit der gleichaltrigen Fenja versteht, mit der sie gemeinsam den Gitarrenunterricht besucht. Doch Lucies ländliches Idyll wird jäh zerstört als Fenja von einer Autobahnbrücke springt und so zu Tode kommt. Bei der Beerdigung der jungen Frau kommt Lucie wirklich an ihre Grenzen. Und dann soll sie auch noch das Tagebuch der Toten deren Ex-Freund Ragnar übergeben. 

Kann es bei Fenjas Tod wirklich mit rechten Dingen zugegangen sein. Eine Logik hätte es, denn obwohl schon ewig getrennt, war Fenja immer noch von Ragnar besessen. Und wenn dieser nun eindeutig klargemacht hätte, dass da nichts mehr zu wollen ist? Und welche Rolle spielt Fenjas alter Klassenkamerad und bester Kumpel Malte? Er mag nicht an einen Selbstmord glauben und er sieht die Schuld bei Ragnar. Diesen wiederum scheint Fenjas Tod und auch der Gedanke an ein Tagebuch recht kalt zu lassen. Als es dann auch noch eine Bombendrohung gibt, beginnt Lucie tatsächlich mehr hinter den Vorgängen zu vermuten. Da kommt ihr Maltes Angebot, ihr bei ihren Nachforschungen zu helfen, gerade recht.

Manchmal meint man, in einer Kleinstadt könnte es keine Verbrechen geben, die Bewohner seien eher ehrlich und so ruhig und gesittet wie es dort zugehen muss, so können Verbrechen dort keinen Platz haben. Doch mitunter brodelt es unter der idyllischen Oberfläche und anhand eines wenigstens öffentlich geklärten, aber doch eigenartigen Todesfalls, kommt so einiges zutage, was man vielleicht gar nicht wissen wollte. Genau mit dieser Thematik spielt die Autorin sehr geschickt. Der Blick hinter die Fassade, öffnet Lucie die Augen, dass es mit der Idylle nicht immer so weit her ist. In ihrer Trauer um die Freundin versucht sie einen Sinn zu finden, eine Erklärung. Aus Lucies Sicht geschildert, sucht der Leser mit ihr, verdächtigt oder befreit von dem Verdacht, immer misstrauischer werdend, immer ängstlicher werdend. In wem könnte Fenja so starke Gefühle ausgelöst haben, dass es zu einem Mord kam. Lucie lässt nicht locker und gemeinsam mit Malte und Ragnar deckt sie einige Geheimnisse auf, ohne allerdings auf die Lösung des Rätsels zu kommen. Und so kann es dem Leser auch gehen, misstrauisch gegen jeden, möchte er Lucie verteidigen und kennt den wahren Feind nicht.


Ein Krimi, mit dem den Lesers ein schönes norddeutsches Städtchen vorgestellt und sympathisch gemacht wird und mit einem Fall, der nach und nach immer mehr fesselt.

Zündstoff von Gea Nicolaisen
ISBN: 978-3-9581-9019-1

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Justizia

Der Anwalt Joachim Vernau hat seinen Mandaten Hans-Jörg Hellmer rausgehauen. Doch als Hellmer das Berliner Gerichtsgebäude verlässt, stellt sich ihm eine alte Dame entgegen und schießt auf ihn. Die ungeübte Schützin verfehlt ihr Opfer, dass unverletzt fliehen kann. Margarethe Altenburg jedoch bricht erschöpft zusammen. Vernau, der das Ganze mitbekommen hat, übernimmt sofort die Regie und sorgt dafür, dass Frau Altenburg ins Krankenhaus gebracht wird. Dort weigert sie sich zwar, ihm eine Vollmacht zu unterschreiben, bittet ihn aber, ein paar Sachen aus ihrem in Görlitz zu holen. Vernau macht sich auf den Weg gen Osten und kommt auf die Spur einiger Todesfälle, bei deren Beurteilung die Gerichte zu versagen schienen.

Die Verfilmung dieses Romans von Elisabeth Herrmann wurde bereits im Januar diesen Jahres im ZDF ausgestrahlt. Nach meiner Erfahrung ist es gut, wenn zwischen dem Sehen einer Verfilmung und Lesen oder Hören der Handlung geraume Zeit verstrichen ist, so dass man beides voneinander trennen kann. Ob hier der zeitliche Abstand gereicht hat, kann ich nicht so genau sagen. Wenn meine Erinnerung mich nicht völlig täuscht, gibt es erhebliche Abweichungen, die vielleicht sogar zu unterschiedlichen Geschichten führen. 

Natürlich kommt man nicht umhin, sich unter Jochaim Vernau das Gesicht des Schauspielers Jan-Josef Liefers vorzustellen. Das ist aber durchaus positiv, auch wenn man nicht die eigene Phantasie spielen lässt. Dieses Hörbuch ist von Herbert Schäfer hervorragend gelesen. Seine Stimme verleiht den handelnden Personen jeweils einen eigenen Charakter und gibt der Handlung Spannung und Tempo. Nach und nach kommt Vernau hinter das Geheimnis von Margarethe Altenburg. Diese hat mit Hilfe ihres Bekannten Otmar Koplin einen Plan ausgeheckt, der an Perfidität kaum zu überbieten ist. Weit in der Vergangenheit wurde der Grundstein von Taten gelegt, die nun in mehreren Todesfällen gipfeln. 

Durchdacht, fesselnd und in weiten Teilen anders als die Verfilmung entwickelt sich der Fall, mit dem verschiedene Thematiken unseres leider nicht perfekten Rechtssystems angeschnitten werden. Ein intelligenter Roman mit intensiven und gründlichen Ermittlungen und einem Ende, dass keine völlige Sicherheit hinterlässt.


Die letzte Instanz von Elisabeth Herrmann
ISBN: 978-3-86808-823-0 (Hörbuch)