Die 16jährige Aysel leidet unter Depressionen. Ihr Herz erscheint ihr wie ein schwarzes Loch, das alles zu verschlingen droht. Ihre Lebensfreude hat die schwarze Qualle namens Depression aufgesaugt, ihr Leben erscheint ihr nicht mehr lebenswert. Als sie über ein Forum für Selbstmörder den 17jährigen Roman kennenlernt, scheint ihr Schicksal besiegelt zu sein: Gemeinsam planen die Beiden ihren Selbstmord. Doch je näher der Termin Ihres Vorhabens rückt, desto mehr Zweifel umtreiben Aysel. Warum Roman sein Leben beenden möchte, bleibt ihr schleierhaft und in ihrem eigenem Leben haben Lichtschimmer und Hoffnung inzwischen Einzug erhalten. Und so beginnt Aysel für einen Ausweg zu kämpfen; für sich und für Roman, zu dem sie sich immer mehr hingezogen fühlt...
"Mein Herz und andere schwarze Löcher" greift ein sehr ernstes Thema auf: das der Depression und der Todessehnsucht. Es handelt sich um ein Jugendbuch, das leicht und verständlich geschrieben ist. Der Autorin gelingt es, das Innenleben der beiden Hauptprotagonisten, Aysel und Roman, so anschaulich zu beschreiben, dass der Leser einen tiefen Einblick in deren Gefühlswelt bekommt. Im Verlauf der Geschichte erfährt man immer mehr über die Beweggründe der Beiden, ihrem Leben ein Ende setzen zu wollen. Es ist eine emotionale Geschichte, die Jugendliche sicher packt und zum Nachdenken anregt. Mich persönlich hat die Geschichte nicht so aufgewùhlt, wie ich es erwartet hatte. Insbesondere Aysels "Leidensgeschichte" empfand ich als etwas übertrieben, den Selbstmordgedanken konnte ich ihr von Anfang an nicht richtig abkaufen. Ich hatte immer den Eindruck, dass ihre momentane Depression relativ schnell überwunden werden könnte, wenn es ihr gelänge, im Leben mehr Anerkennung und Liebe zu spüren. Ob dem letztlich so ist, muss der Lesen natürlich selbst herausfinden. Lesenswert ist die Geschichte allemal.
3 Sterne
© Britta Kalscheuer
Mein Herz und andere schwarze Löcher von Jasmin Warga
ISBN: 978-3-7373-5141-6
Sonntag, 17. Mai 2015
Samstag, 16. Mai 2015
Casting Show
Sergeant Logan McRae hat mehr Arbeit als er schaffen kann. Am brisantesten ist dabei die Entführung von Alison McGregor und deren kleiner Tochter Jenny. Die beiden stehen im Finale einer Casting Show und so ist ganz Aberdeen in Aufruhr als die Entführung bekannt wird. Natürlich setzt die Polizei alles daran, besonders das kleine Mädchen zu retten. Da treten andere Einsätze wie die Verhaftung des Kleindealers Shuggy in den Hintergrund. Was sich allerdings schnell rächt. Noch nicht einmal genügend Zeit für seine Freundin Samantha kann McRae aufbringen.
Gibt es etwa einen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Ermittlungen? Was will die Interne schon wieder? Und wie hält man sich am besten diesen arroganten Besserwisser Green von der SOCA (Serious Organised Crime Agency) vom Hals? Und wie hält man die Termine mit Samantha ein? Nahezu unlösbar scheinen die Aufgaben von Logan McRae und den anderen Mitgliedern des Teams. Allerdings scheint dieses Team aus nur wenigen denkenden Ermittlern und einer Menge Idioten zu bestehen. So geht zu Beginn erstmal eine Menge schief und die Fälle bringen nichts als Probleme und die Felle schwimmen davon. Schließlich bleibt nur wenig Zeit bis das Ultimatum der Entführer abläuft.
Anfänglich scheint auf dem Revier nur ein etwas nerviges Durcheinander zu herrschen und die Polizeiarbeit nur aus Fehlern und Rechtfertigungen zu bestehen. Die Ermittler rennen den Entwicklungen hinterher, die Zeit läuft ihnen davon und nichts geht voran. So konfus wie die Ermittler kommt man sich bald auch als Leser vor. Dennoch sollte man diesen Krimi in der Hand behalten und sich auch die zweite Hälfte zu Gemüte führen. Dann endlich nimmt der Fall an Fahrt auf und die Polizisten beginnen, sich auf ihre eigentliche Aufgabe nämlich die Lösung der Fälle zu konzentrieren. Plötzlich hat man einen packenden Thriller, einen Fall, der einem die Haare zu Berge stehen lässt und einen Ermittler, der zu einer authentischen, wenn auch gebrochenen Persönlichkeit wird.
3,5 Sterne
Knochensplitter von Stuart MacBride
ISBN: 978-3-442-54669-2
Freitag, 15. Mai 2015
Man on Mars
Bei einer Marsmission geht etwas schief, nur fünf der sechs Crewmitglieder können sich in das Raumschiff retten, das sie zur Erde zurückbringen soll. Alles spricht dafür, dass der Sechste nur tot sein kann. Doch das Unglaubliche ist geschehen, Mark Watney hat überlebt. Und so ist er auf dem Mars gestrandet mit der Station und den Ausrüstungsgegenständen, die auf dem Planeten verblieben sind. Sein nächstes Ziel ist es, zu überleben, überhaupt und dann möglichst so lange, bis die nächste Marsmission in abholen kann.
Welch schräge Vorstellung, als einziger Bewohner des Planeten Mars sein Dasein zu fristen. Marc Watney erzählt von seinem Schicksal in Tagebüchern, die in Marstage gegliedert sind. So kann der Leser dem nimmermüden Watney folgen, wie er seine Situation kühl durchdenkt und jedem Problem letztlich mit einer Lösung begegnet. Da gibt es kein Aufgeben, vielleicht ein kurzes Verzagen, wenn mal wieder etwas gründlich schief gelaufen ist, doch schnell versucht Mark etwas Positives in einer vertrackten Situation zu sehen. Gerade der rechte Ansatz, um selbst schwierigsten Problemen begegnen zu können. Und so folgen wir seinem einsamen Weg, der mühsam scheint, aber von seinem großen Durchhaltevermögen und Optimismus bestimmt ist.
Ein Mensch einsam und allein gestrandet auf dem Mars. Beim Lesen der Beschreibung und zugegeben kein Liebhaber von Robinson Crusoe, geht man vielleicht etwas verhalten an das Buch heran. Was kann es denn anderes geben als langatmige Beschreibungen der Einsamkeit. Doch weit gefehlt, das Buch ist sehr spannend. Zwar schon typisch amerikanisch verfällt der Marsianer nie in Depressionen, mit ungeheurem Optimismus glaubt er jedes Problem lösen zu können. Und mit diesem Glauben geht er an jedes Hindernis heran, das sich seinem Überleben in den Weg stellt. Und immer wenn es doch ein wenig eintönig zu werden droht, gelingt dem Autor eine Wendung, die dem Roman die nötige Fahrt verleiht und den Leser förmlich vor die Seiten des Buches bannt. Eine packende Lektüre, die so schnell nicht ihres gleichen findet.
4,5 Sterne
The Martian von Andy Weir
ISBN: 978-1-448-17720-2
INFO: Ich habe das Buch auf Englisch gelesen und füge hier auch noch das deutschsprachige Cover bei.
Donnerstag, 14. Mai 2015
Eine ganz andere Werbeagentur
Musa Bey ist Texter, ein Job, der nicht viel einbringt. Deshalb ist er sehr froh als ein ehemaliger Militärkamerad, der gerade nach Istanbul gezogen ist, ihm anbietet, dass er das dritte Zimmer in der neuen Wohnung übernehmen kann. Die Freude dauert allerdings nicht lange, denn Musa verliert seinen Job. Doch er darf weiterhin in der Wohnung bleiben und kann die Miete zahlen, wenn er wieder eine Arbeit hat. Aus diesem Grund überlegt Musa nicht lange, als er einen Job in einer Werbeagentur angeboten bekommt, tritt er die Stelle sofort an. Doch wo ist er da nur gelandet, die Agentur hat nur einen einzigen Kunden und sein Chef ist eine biestige Katze.
In was für ein seltsames Abenteuer ist Musa da hineingeraten, wäre da nicht Sanem, die am Schreibtisch gegenüber sitzt, Musa hätte bald wieder gekündigt. Doch diese wunderschönen Augen, in denen er versinken kann, wenn er am Arbeitsplatz den Kopf hebt, lassen in weitermachen. Und so gerät er von einer skurrilen und unglaublichen Situation in die andere. Hinter den eigenartigen Ereignissen, scheint ein Plan zu stecken. Doch was soll das Ziel sein und werden Musa und Sanem glücklich?
In eine Geschichte zwischen Traum und Wirklichkeit scheint der Autor seine Leser zu ziehen. Und je abstruser Musas Erlebnisse werden, desto verwirrter wird der Leser. Verwirrt allerdings auf eine angenehme Art und Weise, denn dieses kleine Büchlein mit seiner verschrobenen Geschichte ist doch höchst amüsant. Dabei bedarf es schließlich gar keiner wirklichen Klärung, ob und in welchem Maße Wahrheit oder Inszenierung für Musa ineinander fließen. Wie ein kleiner Schelmenroman bringt dieses Buch den Leser auf mal ganz andere auf die vermeintliche Wirklichkeit.
4 Sterne
Secret Agency von Alper Canigüz
ISBN: 978-3-943-56208-8
Dienstag, 12. Mai 2015
Lasset die Englein zu mir kommen
Kommissar Holger Munch wird an seine alte Wirkungsstätte zurück gerufen. Nach einem missglückten Einsatz eigentlich in Ungnade gefallen, wird er nun doch gebraucht. Und er will seine alte Mannschaft wieder zusammenhaben. Zu dieser gehört auch die gut dreißigjährige Mia Krüger. Zwar hat sie sich auf eine einsame Insel zurückgezogen, um mit dem Leben abzuschließen. Als sie hört, dass es bei dem neuen Fall um getötete Kinder geht, kleine Mädchen in Puppenkleidern, kann sie nicht anders als sich den Ermittlern anzuschließen. Schnell mehren sich die Anzeichen, dass sie es mit einem Serienmörder zu tun bekommen könnten. Das Team arbeitet auf Hochtouren.
Zunächst durch eine Mischung aus deutlichen, erschreckenden Szenen und phantasieanregend Ungesagtem fesselt der Autor seine Leser. Für seine Figuren lässt er sich Zeit, fast liebevoll beschreibt er die Ermittler und ihr Umfeld, fast akribisch die Verdächtigen, doch auch zunächst anscheinend Unbeteiligte bekommen ihre Aufmerksamkeit. Aktionsreiche Szenen wechseln sich mit eher nachdenklichen manchmal sogar witzigen und humorvollen Abschnitten ab. Gerade, wenn etwas zu viel zu werden droht oder man etwas zu vermissen beginnt, scheint der Autor ein Gespür dafür zu haben, genau den Wechsel herbeizuführen, den es benötigt, um die Spannung beizubehalten. Geheimnisvolle Hinweise, die Schritt für Schritt durch akribische Ermittlungen und präzise Denkoperation entschlüsselt, lassen einen hochintelligenten Täter vermuten, der alles daran setzt seinen perfiden Plan durchzuführen. So ausgewogen und manchmal überraschend und erfrischen anders sich der Beginn und der Mittelteil gestalten, so doch ein wenig enttäuschend ist die Auflösung, die schließlich recht schnell und nicht ganz so geheimnisumwittert präsentiert wird wie es zunächst zu vermuten oder zu hoffen war.
Dennoch ein packender Beginn einer neuen Reihe um die außergewöhnlichen Ermittler Holger Munch und Mia Krüger, die durch ihre besonderen Fähigkeiten bestechen und die ihre persönlichen Eigenheiten zu Persönlichkeiten machen, denen man gerne wieder begegnen und an deren Weiterentwicklung man teilhaben möchte.
Hervorzuheben ist die hervorragende Covergestaltung, die das Buch zu einem Hingucker in jedem Regal macht und die dazu noch ein besonderes haptisches Erlebnis bietet.
4 Sterne
Engelskalt von Samuel Bjørk
ISBN: 978-3-442-48225-2
Sonntag, 10. Mai 2015
Ein Meer aus Geheimnissen und Lügen
Der Albtraum einer jeden Frau: Eva wacht eines morgens auf, das Bett neben ihr ist leer. Daraufhin begibt sie sich auf die Suche nach ihrem Ehemann Jackson. Leider gibt es schlechte Nachrichten für sie, denn Jackson stürzte beim Angeln von den Klippen und fand im Meer den Tod. Seine Leiche wird nie gefunden. Die erst seit zehn Monaten verheirate Eva fühlt sich alleine und einsam. Sie beschließt nach Tasmanien zu reisen, wo die Wurzeln ihres Mannes liegen. Sie bedauert nicht zu Lebzeiten mit Jackson dort gewesen zu sein und möchte nun endlich dessen Familie kennenlernen. Nicht zuletzt ist dies ja auch die letzte Verbindung zu ihrem Ehemann, mit dem ihr insgesamt nur zwei Jahre vergönnt waren. Doch was sie dort nach und nach erfährt, wirft sie komplett aus der Bahn und lässt Jackson in einem neuen Licht erscheinen. Callie und Saul, Jacksons Bruder, sind ihr in dieser Zeit wichtigte Stützen. Die braucht sie auch, als das Unvorstellbare wahr wird...
Lucy Clarke ist es gelungen, eine Geschichte zu schreiben, die von der ersten bis zur letzten Seite fesselt und immer wieder überraschende Wendungen nimmt. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Das Ende habe ich zwar so ähnlich vorhergesehen, dennoch tat dies der Spannung keinen Abbruch. Gebannt habe ich mit Eva mitgefiebert, die sich in der atemberaubenden Kulisse Tasmaniens Schritt für Schritt der Wahrheit annähert. Allein die love story hätte es nicht gebraucht, aber das ist natürlich Geschmackssache. Ansonsten bin ich begeistert von den Charakteren, mit denen ich im einen Fall mehr, im anderen weniger sympathisieren konnte, ebenso wie von den Lanschaftsbeschreibungen und der Gesamtkonstruktion der Geschichte. Unbedingt lesenswert!
4 Sterne
Der Sommer, in dem es zu schneien begann von Lucy Clarke
ISBN: 978-3-492-06012-7
© Britta Kalscheuer
4 Sterne
Der Sommer, in dem es zu schneien begann von Lucy Clarke
ISBN: 978-3-492-06012-7
© Britta Kalscheuer
Promenadenmischung
Kurz nach der Wende macht er etwas, was Unverständnis auslöst, er kündigt seine Arbeitsstelle. Und eine Weile später kündigt er weiter, die Wohnung, die Versicherung, er meldet sich ab, verkauft und verschenkt, was er besitzt. Ein Besuch beim Vater noch und fort aus Berlin, egal wohin fast, nur warm soll es sein und auf dem Landweg zu erreichen. Und so geht es mit dem Zug zunächst in die Schweiz und weiter nach Spanien. Ohne geplantes Ziel führt ihn die Reise nach Gabo de Gata, ein karger Landstrich an der Südküste Spaniens, einer der Orte in Europa mit den meisten Sonnenstunden und nur wenig Regen. Dort soll sein Roman entstehen. Der Ort und seine Menschen sollen eine Inspiration bringen.
Mit dem Autor kann der Leser eine Weile aus der Zeit heraustreten, sich vielleicht an einen Urlaub oder eine Reise erinnern, die in ihrer Eintönigkeit befreit, Sorgen und Nöte in den Hintergrund drängt und dazu anregt, den Moment zu genießen. Nicht mehr genau zu wissen, welcher Tag es ist, in jeden neuen Tag hineinzuleben, Gedanken loszulassen. Doch auch die Fremdheit zu spüren, die einem entgegen gebracht wird, taucht man außerhalb der Saison auf. Das langsame Herantasten, die Aufnahme in den Alltag der Einheimischen, die sich nicht in großen Gesten äußert, sondern eher in einem leisen Gruß oder der anheimelnden Nichtbeachtung. Die wenigen Durchreisenden nehmen sogleich Kontakt auf und sind doch schnell wieder vergessen.
Zwischen Gedanken, Erfindung und beschriebener Wirklichkeit kann man als Leser an der Deutung zweifeln. Man kann jedoch auch auf eine Deutung verzichten und das Buch wie eine kleine Auszeit, einen kleinen Urlaub auf sich wirken lassen. Gerade die Ungezieltheit der Aufzeichnungen befreien auch den Leser von störenden Gedanken und er kann sich in die Szenerie hinein sinken lassen.
4 Sterne
Cabo de Gata von Eugen Ruge
ISBN: 978-3-498-05795-4
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