Donnerstag, 6. August 2015

Tod in der Provence

Zwar ist Pierre Durant freiwillig in sein neues Domizil in der französischen Provinz gezogen, dennoch vermisst er seinen ehemaligen Job als Kommissar. Nur noch als eine Art Dorfpolizist unterwegs, kann er das Ermitteln doch nicht lassen. Bei eigentlich klaren Zuständigkeiten ist dies nicht so einfach. Denn als der Dorfcasanova in einem Weinfass ertrinkt, muss Durant den Fall an den zuständigen Kommissar abgeben. Natürlich geht ihm das mächtig gegen den Strich und er findet einen Weg, sich in die Ermittlungen einzumischen. Gemeinsamen mit seinem übereifrigen Assistenten Luc begibt er sich daran, den Mordfall aufzuklären.

Ein heiterer Grundzug beherrscht diesen weiteren Provence-Krimi, der mit sympathischen Akteuren punktet. Pierre Durant, mehr oder weniger aus freien Stücken auf dem Land, hat dort seine Heimat gefunden. Als gewiefter Ermittler durchschaut er Rätsel manchmal schneller, ganz im Gegensatz dazu, Luc, der hin und wieder etwas schwerfällig und verbohrt wirkt und schließlich mit einer gewagten Aktion doch für sich einnimmt. In diesem ersten Fall wird Pierre Durant von seiner Freundin verlassen und auf sich allein gestellt, merkt er, dass das führen eines Haushalts doch mit Arbeit verbunden sein kann. Reuevoll möchte er seiner Ex ein schönes Mahl bereitet. Eine Idee, bei deren Ausführung die schöne Köchin Charlotte helfen soll. Eine Verquickung mit dem Fall ergibt sich, als festgestellt wird, dass der Tote auf eine Art und Weise „zubereitet“ wurde, die Charlotte auch in ihren Rezepten darstellt.


Mit einem Schmunzeln folgt man Durant auf seinem Weg zur Lösung des Rätsel. Mit leichter Ironie geht er gelassen ans Werk, um sich doch immer im richtigen Moment in die Arbeit zu knien oder im nächsten richtigen Moment, einen Kaffee einzunehmen oder einfach einmal die schöne Landschaft zu genießen. So ganz verliert er den Fall nie aus dem Blick, seinem Bauchgefühl folgend, steht er zu Freunden und Kollegen und kommt nach und nach hinter eine Intrige, die zunächst nicht zu erahnen war. Spannende Unterhaltung gepaart mit dem Eintauchen in schöne Landschaftsbilder, ein sympathischer Ermittler mit Ecken und Kanten, dessen Leben sich verändert - das zusammengenommen wirkt wie ein provenzalisches Rezept zum interessanten und kurzweiligen Zeitvertreib. 

4 Sterne

Provenzalische Verwicklungen von Sophie Bonnet
ISBN: 978-3-7341-0162-5





Montag, 3. August 2015

Astbury Hall

Rebecca Bradley bekommt einen Vertrag für einen Dreh in einem alten Herrenhaus in England. Gespannt macht sie sich auf den Weg, um die neue Aufgabe zu bewältigen. Ihr Schauspielerkollege und Freund Jack hat ihr gerade einen Heiratsantrag gemacht, doch Rebeccas Herz ist nicht so recht bei der Sache und sie kann nicht aus vollem Herzen zustimmen. Deshalb ist sie mehr als froh, ins ferne Europa zu reisen. Allerdings hat es die Nachricht von der angeblichen Verlobung der bekannten Schauspielerin auch schon in die britische Presse geschafft. Das Angebot Lord Astburys, während der Dreharbeiten im Herrenhaus zu wohnen, nimmt Rebecca erleichtert an und beginnt die Ruhe zu genießen.

Lucinda Riley ist für ihre gefühlvollen und dramatischen Geschichten bekannt. Und auch in dem vorliegenden Roman verknüpft sie die Geschichte der handelnden Personen über mehrere Generationen zu einer emotionalen Familien-Saga. In Indien Anfang des letzten Jahrhunderts nimmt die Handlung ihren Lauf. Die junge Anahita wird Gesellschafterin der Tochter einer fortschrittlich denkenden Maharani, die die jungen Mädchen in England auf die Schule schickt. Im alten Europa lernt Anahita die Liebe ihres Lebens kennen und eine tragische und bittersüße Beziehung entfaltet sich, die noch in der Gegenwart ihre Auswirkungen spüren lässt.


Beginnend mit einer ruhigen Schilderung zum Teil in Tagebuch Aufzeichnungen Anahitas, nimmt die eigentliche Handlung eher langsam an Fahrt auf. Nach und nach kann der Leser sich auf die Geschichte einlassen und Sympathien für die handelnden Personen entwickeln. Lange fragt er sich, wie die Fäden zusammengefügt werden mögen. Doch kann man der Autorin voll und ganz vertrauen und sich in die emotionale und berührende Lebensgeschichte Anahitas versenken. Träumend entschlüsselt man schließlich das Geheimnis um die Mitternachtsrose, die Tragik, die die Menschen erfuhren. Ein gelungenes Werk einer Autorin, die es versteht, ihre Leser anzurühren.

4 Sterne

Die Mitternachtsrose von Lucinda Riley
ISBN: 978-3-442-47970-2





Sonntag, 2. August 2015

Nur eine gute Tat

Vor einiger Zeit fiel dem Photografen Mark Taylor eine alte Kamera in die Hände. Obwohl es sich um ein gutes altes Stück handelt, wird Mark nicht glücklich damit. Denn so oft er auch wunderbare Bilder mit dem Apparat schießt, immer wieder findet furchteinflößende Abzüge, an deren Entstehung er sich nicht erinnern kann. Noch beängstigender werden für Mark die Träume, die er nachdem er die Fotos gemacht hat, im wahrsten Sinne des Wortes erleidet. Zusammen mit der Kamera kann er Ereignisse vorhersehen, die meist nicht gut ausgehen. Als Mark merkt, dass er die Ereignisse verhindern kann, wenn er rechtzeitig eingreift, opfert er dieser Lebensaufgabe fast alles. Richtig schlimm für ihn ist, dass er den Anschlag auf die Zwillingstürme nicht verhindern kann. Im Gegenteil, er gerät in Verdacht, in das Attentat involviert zu sein.

Nach der Lektüre dieses Romans, habe ich geschaut, ob es sich bei dem Autor um einen Mann oder eine Frau handelt. Überrascht hat es mich dann schon, dass ich es mit einer Autorin zu tun hatte. Durch den Verdacht, in den er geraten ist, wird Mark so etwas wie der Staatsfeind Nr. 1. Und die Autorin lässt ihre Leser bis in kleine Details daran teilhaben, wie die USA Menschen behandeln, die scheinbar als Gefahr für das amerikanische Volk identifiziert wurden. Szenen spielen sich ab, von seelischen und körperlichen Folterungen, intensiven Befragungen, schlechter Unterbringung und einem unstrukturierten Tagesablauf. Das alles ist schon beim Lesen schwer zu ertragen und ich zog tatsächlich in Erwägung, die Lektüre abzubrechen. Erst in der zweiten Hälfte des Buches erschließt sich, welchen Weg die Autorin für Mark Taylor vorgesehen hat. Dennoch bleibt der Beginn des Romans am Rande des Erträglichen. Und die Auseinandersetzung damit, was eine solche Behandlung mit einem Menschen anstellen kann, ist auch nicht einfach. Ich hatte an dem Geschehen zu knacken.


Ein spannender Thriller zwar, dessen Lektüre allerdings besonders zu Beginn eine Qual werden kann. 

3 Sterne

No good deed: Book One in the Mark Taylor Series von M. P. McDonald
ISBN: 978-1-47512107-0


Donnerstag, 30. Juli 2015

Sommerleichte Lektüre

„Das Meer in Deinem Namen“ erzählt die Geschichte zweier Frauen, die zumindest auf den ersten Blick nichts gemein haben: Carly und Henny. Carly fühlt sich zum verheirateten Professor vielleicht mehr hingezogen, als ihr gut tut und so kann sie ihm nicht den Wunsch abschlagen, sich um den Nachlass von Henny zu kümmern – einer ihr unbekannten Frau. Überraschenderweise entdeckt Carly während ihrer Arbeit aber immer mehr Gemeinsamkeiten mit Henny. Während sie sich um deren Nachlass kümmert, stößt sie auf immer mehr Geheimnisse. Ihre Reise in Hennys Vergangenheit ist aber gleichzeitig die Auseinandersetzung mit eigenen, in der Vergangenheit verwurzelten Ängsten und mit der eigenen, noch ungewissen Zukunft. 
Patricia Koelle hat einen stimmungsvollen Roman geschrieben, der die Sehnsucht nach dem Meer weckt und sich perfekt als Sommerlektüre eignet. Die Geschichte wird zwei verschiedenen Perspektiven erzählt, die am Ende zusammenlaufen. Das hat mir gut gefallen. Die Charaktere sind sehr lebendig und vielschichtig, Landschaftsbeschreibungen sehr detailliert. Der Schreibstil ist sehr angenehm. Dennoch konnte mich die Geschichte leider nicht hundertprozentig packen. Die beiden Nachfolger werde ich mir dennoch ansehen, denn ich bin neugierig, wie der Faden weiter gesponnen wird. 

3 Sterne

© Britta Kalscheuer

Das Meer in deinem Namen von Patricia Koelle
ISBN: 978-3-596-03188-7


Mutti und die Politik

Der Mitarbeiterin einer Bank platzt ein wichtiger Deal. Hanna Kauls Stellung ist nicht mehr wie vorher. In dieser Situation ist sie sogar froh, dass ihre Nichte für ein paar Tage bei ihr einzieht. In der Berliner Politik werden derweil die Fäden gezogen. Nicht nur Posten werden verschoben sondern auch Geld. Doch eine will aussteigen: Paula Busch. Und sie will sich mit einem alten Freund treffen. Lothar Mierscheid, der ebenfalls Politiker geworden ist. Nicht in Berlin soll das Treffen stattfinden. Bevor es jedoch soweit kommen kann wird Paula vor einem Café in Düsseldorf erschossen. 

Der Polizist Dominik Roth möchte gerne zu den Mordermittlern, doch seit seine Frau vor einigen Jahren verstarb, hat er nur noch Aufgaben bekommen, die eher leicht zu lösen sind. Jetzt aber wittert er seine Chance. Und diese Chance beschert dem Leser einen packenden Krimi. Die Bankenkrise, welche vor einigen Jahren begann und uns auch heute, wenn auch in anderer Form, noch nicht loslässt, wird mit anderen Verwicklungen zu einem fesselnden Szenario kombiniert. Der gelangweilte Polizist Dominik Roth, der mehr will und dabei seine Kompetenzen sehr weit ausdehnt, wirkt dennoch sehr sympathisch. Immer noch versucht er den tragischen Tod seiner Frau zu verarbeiten, versucht sich abzulenken, indem er sich umso mehr in die Arbeit kniet. Nicht ahnend, dass er während der Ermittlung zum ersten Mal seit langem er Frau begegnen wird, die sein Innerstes berührt. 


Nachdem schon die neueren Bücher überzeugten, ist dieser Roman eine weitere Empfehlung wert. Ein Autor, der mit seinen klug konstruierten Krimis ausgesprochen gut unterhält und über brisante Themen informiert. Mal wieder hat man es nicht geschafft, das Buch zu normalen zu-Bett-geh-Zeit aus der Hand zu legen.

4 Sterne

Schwarzer Schwan von Horst Eckert
ISBN: 978-3-8942-5858-0




Montag, 27. Juli 2015

Die Bibliothek

Caleb Shaw, eines der Mitglieder des Camel-Clubs, arbeitet in der Bibliothek. Zu seinem Entsetzen findet er eines Tages seinen Vorgesetzten tot in einem der Räume. Anscheinend ist dieser an Herzversagen verstorben, was aber eigentlich nichts anderes heißt, dass man die genaue Todesursache nicht kennt. Caleb wird zum bibliothekarischen Nachlassverwalter ernannt, denn der Verstorbene war ein Sammler von besonderen Buchausgaben und diese Sammlung muss nun katalogisiert, geschätzt und veräußert werden. An seine neue Aufgabe geht Caleb zusammen mit seinen Freunden des Camel-Club heran. Und schon bald beginnen die Freunde daran zu zweifeln, dass der Tod des Verstorbenen ein natürlicher war. 

Dieses Hörbuch wird sehr unterhaltsam und fesselnd vorgetragen von K. Dieter Klebsch. Um den Camel-Club entwickelt sich hier ein Fall, der jeden Buchliebhaber in seinen Bann ziehen müsste. Schließlich geht es um Bibliothekare, Antiquare, Sammler und Restaurateure und man meint den Duft der Bücher zu atmen. Um dieses Grundthema konstruiert der Autor seine Theorien um Mord, Verschwörungen und Verrat. Ausgesprochen amüsant und dabei spannend entwickelt sich die Geschichte. Und auch der zweite Handlungsstrang hat es in sich, denn in dieser wird einem Bösewicht eine menge Geld förmlich unter dem Hintern weg geklaut. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, kann man beim Zuhören selbst herausfinden.


Dieser zweite Band der Reihe um den Camel-Club bereitet noch mehr Vergnügen als der erste. Er bietet einen glaubwürdigen Fall, der einige Wendungen enthält, die einen schmunzeln lassen und einige, die die Anspannung aufs Äußerste steigern. In gelesener Fassung genau das Richtige, um eine Autofahrt zu einer kurzweiligen Krimilesung werden zu lassen. Sollte die Fahrt nicht ausreichen, um ein Kapitel zu beenden, ist man geneigt, noch ein Weilchen bei ausgeschaltetem Motor zu verweilen. 

4 Sterne

Die Sammler von David Baldacci
ISBN: 978-3-7857-3842-9

Sonntag, 26. Juli 2015

Nenn mich nicht Schwarzi!

Ein Remake von „Der dritte Mann“ soll gedreht werden, deshalb kommt der Autor Harald Schwarzkopf zusammen mit dem jugendlichen Regisseur Ernesto Ostwaldo nach Wien. Schon am Flughafen gibt es Schwierigkeiten. Schwarzkopf als Jugendlicher von Österreich nach Amerika ausgewandert gerät in eine seltsame Situation nach der anderen. So wird er zum Beispiel mit einem Bediensteten des Lost-and-Found Schalters verwechselt. Sein Kumpel Ernesto versucht inzwischen, den Koffer mit den Pillen loszuwerden, die er zur Selbstversorgung aus den Staaten mitgebracht hat. Auch das will nicht so recht gelingen. Die beiden Hollywood-Chaoten kommen mit Mühe durch den Zoll, um dann eine Katastrophe nach der nächsten auszulösen. Wenigstens brauchen sie kein Hotelzimmer, die Übernachtung in der Arrestzelle für Prominente ist ihnen sicher.

Wie ein Drehbuch geschrieben ist dieser Krimi, Regieanweisungen und Dialoge wechseln sich ab. Den einzelnen Kapiteln sind kurze Zeitungsausschnitte vorangestellt. Die Handlung erinnert in gewissen Zügen durchaus an die des Films „Der dritte Mann“ wie sich mit der freundlichen Hilfe Wikipedias feststellen lässt. Eine genauere Kenntnis des Films würde den Reiz der Handlung dieses Romans sicher noch erhöhen, wie auch Ernesto des Öfteren feststellt. Die schnellen Szenenwechseln und die teilweise irrwitzigen Ereignisse und Dialoge gepaart mit absichtlichen Wiederholungen lassen dieses skurrile Werk zu einem echten Lesevergnügen werden, wobei das kleine Glossar der wienerischen Begriffe zu Beginn für den norddeutschen Flachlandtiroler wahrhaft hilfreich ist. Unter den zahlreichen running Gags die durchaus intelligente Geschichte auszumachen, fordert die geneigte Aufmerksamkeit des Lesers, die der Autor durch die witzige Art leicht gewinnt. 


Ein ein lesenswertes fast-Remake des Kino-Klassikers „Der dritte Mann“. Ein etwas anderes Buch, zu dem man im Takt des „Harry Lime Themes“ schwingen kann.

4 Sterne

Schwarzkopf von Richard K. Breuer
ISBN: 978-3-9502498-6-6