Sonntag, 14. Mai 2017

Die Rheinbrücke

Der Polizeiseelsorger Martin Bauer wird zu einer Rheinbrücke in Duisburg gerufen. Ein Mann will sich von der Brücke stürzen. Bauer ist ungewöhnlichen Methoden gegenüber aufgeschlossen und manchmal ist eine Aktion besser als eine Reaktion. Und so springt Bauer als erster von der Brücke und wird von dem Mann gerettet, der eben noch seinem Leben ein Ende setzen wollte. Schon am nächsten morgen ist der andere tot, er war Polizist und gegen ihn wurde wegen Korruption ermittelt. Und nun hat er offensichtlich sein Vorhaben doch noch in die Tat umgesetzt. 

Nachdem Martin Bauer als Gemeindepfarrer nicht so gut angekommen ist, hat er als Polizeiseelsorger seine Bestimmung gefunden. Allerdings macht er es sich auch mit dieser Tätigkeit nicht leicht, er neigt dazu manchmal weiter zu gehen als es seine Jobbeschreibung eigentlich verlangt. Obwohl der Tod des Polizisten als Selbstmord zu den Akten gelegt werden soll, rumort es in Bauer. Der Sohn des Toten ist traumatisiert, sicher bedarf er der Hilfe eines kompetenten Partner und die Witwe wirkt sehr geschockt. Zwar schien die Familie nicht übermäßig glücklich, aber soll eine bloße Untersuchung der Internen jemanden in den Selbstmord treiben?

Mit diesem ersten Band um den Polizeiseelsorger Martin Bauer und die Kommissarin Verena Dorm  stellen die Autoren eine sehr ungewöhnlichen Ermittler vor. In seiner Hartnäckigkeit und des „Er kann´s nicht lassen“ könnte man sich zwar im ersten Moment an Pater Brown erinnert fühlen, der den Kollegen von Recht und Ordnung mal ins Handwerk pfuscht, doch Martin Bauer geht doch um einiges ernsthafter ans Werk. Sein Glauben gibt ihm Kraft und Zuversicht, doch dieser Fall verlangt ihm so viel ab, dass er beinahe ins Zweifeln kommt. Familienmensch, Pfarrer, Ermittler - eine interessante Kombination komplexer Eigenschaften, bei einem, der nachbohrt, der nicht locker lässt. Gebannt hängt man an den Seiten, mit jedem Blättern treten neue Einzelheiten zutage, die einen noch mehr fesseln. Geschickt jonglieren die Autoren mit den verschiedenen Hinweisen und schicken die Leser auf eine Reise, deren Ziel lange verborgen bleibt, um schließlich beim Herannahen des Ziels zu einem wahren Thriller zu werden. 

Die Kombination zwischen Glaube, Liebe und Tod ist hier ausgesprochen gelungen. 


4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Glaube Liebe Tod von Peter Gallert und Jörg Reiter
ISBN: 978-3-8437-1474-7


Samstag, 13. Mai 2017

Raue Küste

Die Polizeistation von Kinloch an der schottischen Westküste scheint nicht ausreichend mit Personal und Material ausgestattet zu sein, um die Ermittlungen in einem Mordfall bewältigen zu können. Eine weibliche Leiche in desolatem Zustand wurde angespült und schon die Bergung gestaltet sich schwierig. DCI Jim Daley wird von Glasgow an den kleinen Küstenort beordert, um die Untersuchung zu unterstützen. Zunächst gilt es die Tote zu identifizieren und erste Informationen zu sammeln. Schnell stellt sich heraus, dass die Bewohner des kleinen Städtchens Fremden gegenüber nicht unbedingt offen sind. Daley scheint ungeachtet dessen doch Kontakt zu den Einheimischen zu finden.

Nach dem kleinen Teaser „Die Mädchen von Strathclyde“ ist dies nun Jim Daleys erster großer Fall, von dem Denzil Meyrick berichtet. Jahre sind vergangen und Daley hat sich in der Hierarchie hochgearbeitet, so dass er nun als leitender Ermittler in diesem schrecklichen Mordfall fungiert. Seine Ehe hat sich im Laufe der Jahre nicht ganz so positiv entwickelt wie erhofft, aber er kämpft um ihren Fortbestand. Treu an seiner Seite steht weiterhin DC Scott, der es vorgezogen hat an der Front zu ermitteln und so auf eine echte Karriere verzichten musste. Zu Beginn gestalten sich die Nachforschungen schwierig. Widersprüchliche Informationen geben kein schlüssiges Bild, doch Daley und Scott lassen nicht locker.

Intrigen und Ränke in den Rängen der Polizei, mäßig funktionierende Partnerschaften, humorvolle Szenen, eine gehörige Portion schottische Kultur und von Lokalkolorit geprägter Zungenschlag - aus diesen und anderen Zutaten strickt der Autor einen spannenden Krimi, bei dem man das Filmpotential sofort aufblitzen sieht. Allerdings wirken die verschiedenen Inhaltsstoffe mitunter etwas zusammengewürfelt und ergeben so nicht immer ein stimmiges Gesamtbild, entweder als habe Denzil Meyrick sich nicht entscheiden können, ob dieser Roman mehr von des Autors eigener Erfahrung als Polizist habe profitieren sollen oder von seiner Kenntnis von Land und Leuten, sollte es ein Lokalkrimi werden oder sollten die privaten Lebensumstände der Beamten ein wichtiger Bestandteil der Ermittlungen sein. Was in der oben erwähnten Vorgeschichte noch stimmig wirkte und nur wegen der Kürze zwangsweise etwas oberflächlich anmuten musste, erweckt hier den Eindruck als sei es das Bestreben gewesen jeden ansprechen zu wollen. Und so wechseln sich humoristische Szenen mit ausführlichen Beschreibungen des britischen Polizeiapparates. Schottisch geprägte Gespräche, die wahrscheinlich schwierig zu übersetzen sind, bilden einen Gegensatz zu den Beschreibungen. Und so bleibt man etwas unschlüssig, was für eine Art Krimi man hier hat. Zwar muss ein Roman nicht unbedingt einem bestimmten Genre zuordenbar sein, jedoch könnte hier der Eindruck entstehen, dass die die Teile nicht geschmeidig ineinander fließen, sondern einzelne Brocken zusammengestellt wurden. Dennoch gelingt es dem Autor sehr gut die raue Schottische Küste vor dem Auge des Lesers erstehen zu lassen und große Sympathie für den Menschenschlag zu wecken. Das Interesse an Jim Daley und seinen Mannen weckt dieser erste Band der Reihe mit Sicherheit und man darf gespannt sein, was die weiteren Bände bringen. Im englischen Original durfte DCI Daley immerhin bereits fünf Ermittlungen leiten.


3,5 Sterne

Tödliches Treibgut von Denzil Meyrick
ISBN: 978-3-959-67664-9


Donnerstag, 11. Mai 2017

Ein neues Leben

Durch einen unglücklichen Zufall hört die junge Novizin Ellin wie ein Mordkomplott geplant wird. Auf den Erzbischof von Köln geplant wird. Sie und ihre Mitschwester Jonatha werden entdeckt und müssen fliehen. Die bedauernswerte Jonatha wird von den Häschern gepackt und umgebracht. Ellin gelingt die Flucht. Ellin macht sich auf den beschwerlichen Weg nach Norden immer in großer Angst, sie Männer Friedrichs von Isenburg könnten sie einholen. Auf ihrer Flucht muss sie große Gefahren überstehen, doch sie ist auch mit Glück gesegnet, denn häufig begegnet sie Menschen, die ihr helfen und sie unterstützen.

Im Jahr 1225 wurde der Erzbischof von Köln tatsächlich überfallen und umgebracht. Um dieses geschichtlich belegte Ereignis spinnt die Autorin die Geschichte der Novizin Ellin. Diese ist durch ihre Entdeckung zwar sehr geschockt, aber dennoch erlebt sie außerhalb der Klostermauern eine völlig neue Welt. Eine Welt, in der sie sich als Frau relativ frei bewegen kann, in der sie etwas lernen kann, sogar einer Arbeit nachgehen kann. Zwar gibt es auch Einschränkungen, doch mit ihrem wachen Verstand saugt sie alles auf, was sie lernen kann. Schlimme Erlebnisse muss sie überstehen, keine Sicherheit scheint ihr beschieden.


Mit leichter Hand spinnt Caren Benedikt ihre Geschichte um die junge Ellin, die gezwungenermaßen das Kloster verlässt. Schlechten Gesellen begegnet sie, die ihr Böses wollen, weil sie verhindern wollen, dass die junge Frau den Mörder entlarvt. Doch sehr erhebend ist es, dass ihr auch viel Gutes beschieden ist. Immer wieder trifft sie auf freundliche Seelen, die ihr helfen. Die Erlebnisse der jungen Ellin sind sehr lebendig geschildert, so dass man sich bei manchen Szenen gut vorstellen kann, es in der damaligen Zeit zugegangen sein kann. Ellin ist eine liebenswürdige junge Frau, die es nicht leicht hat, die sich aber dennoch nicht unterkriegen lässt. Dabei verfolgt man mit Spannung, wie Ellin immer mehr lernt und selbstbewusster wird, und man kann sich gut in sie hineinversetzen. Zwar gewinnt man den Eindruck, dass hin und wieder eine kleine Straffung nicht schlecht gewesen wäre, aber insgesamt gewinnen Ellin und ihre Freunde viel Sympathie.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Die Kerzenzieherin von Caren Benedikt
ISBN: 978-3-426-51294-4


Sonntag, 7. Mai 2017

Birds on a Wire

Keiner kann sie so richtig gebrauchen und so wird einfach eine neue Brigade gegründet. Dorthin werden alle die versetzt, die krank sind oder faul, die quer denken, die unangepasst sind. Angeführt wird die Einheit von Commisaire Anne Capestan, die nach einer Suspendierung wieder arbeiten darf, aber am besten so, dass sie keinem in den Weg gerät. Sie leitet eine Abteilung, in die nicht nur die Ermittler sondern auch die ungelösten Fälle entsorgt werden. Allerdings kommt es anders als gedacht, denn in dieser Geistereinheit tauchen doch einige Polizisten auf, die bereit und willens sind zu arbeiten, die pfiffig und intelligent, mit Witz und Hartnäckigkeit an die wenigen Fälle herangehen, die in dem ihnen zugewiesenen Ausschuss doch nach Aufklärung rufen.

Das ist schon eine seltsame Abteilung, die Anne Capestan, die eher mit ihrer Entfernung aus dem Dienst gerechnet hat, da anführen soll. Allerdings eine Entfernung aus dem aktiven Dienst ist es schon. Denn Fälle, die irgendjemandem unter den Nägeln brennen gibt es nicht. Und ihr Team, das immerhin aus vierzig Leuten bestehen soll, wird in einer Wohnung untergebracht, die zum einen als Büro nur bedingt geeignet ist und zum anderen für diese Anzahl von Leuten gewiss nicht genug Platz bietet. So befürchtet Anne schon eine Einheit, betreuen zu dürfen, die tatsächlich nur aus Abwesenden besteht. Doch nach und nach trudeln die Kollegen ein.


Eigentlich nicht so gute Voraussetzungen für einen spannenden Kriminalroman bietet die Autorin mit ihrer Truppe von lahmen Enten. Doch was sie daraus macht vermag zu überraschen und zu fesseln. Das langsame Zusammenwachsen der Einheit, zumindest des Teils der Einheit, der gewillt ist zu arbeiten, das Auffinden der wenigen interessanten Ermittlungsansätze, den Eifer, mit dem die Abgehängten zur Sache kommen, das ist sehr erfreulich zu lesen. Mit den sympathischen Ermittlern wird man schnell warm. Behutsam wird berichtet, wieso sie kalt gestellt wurden. Doch gerade ihr Abgehängtsein gibt ihnen auch die Freiheit intensiv zu ermitteln, auch wenn es nur „Cold Cases“ sind. Sie haben zwar keine große Unterstützung, sie haben aber auch keinen Druck. Wie sich aus dieser Grundkonstellation eine brisante und packende Geschichte entwickelt, ist eine Freude zu lesen. Dieser erste Band einer Reihe macht Spaß und fesselt mit einem Fall, der es in sich hat. Den Namen Sophie Hénaff wird man sich gerne merken.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Kommando Abstellgleis von Sophie Hénaff
ISBN: 978-3-570-58561-0




Freitag, 5. Mai 2017

Der Container

Die 10jährige Gitte Mikkelsen tot aufgefunden. Als wäre ein Mord an einem Kind nicht schon schlimm genug hat der Mörder nichts besseres zu tun gehabt als das Kind ausgerechnet in einem Abfallcontainer zu entsorgen. Wie menschenverachtend muss einer sein. Daran haben auch die ermittelnden Beamten zu knacken. Was bei den Polizisten, unter ihnen Rolando Benito, ebenfalls eine gewisse Missstimmung auslöst: Die Journalistin Anne Larsen und ihre Fotografin Kamilla Holm scheinen den Beamten häufiger einen Schritt voraus zu sein. Zu Beginn kommt die Untersuchung auch nur langsam voran, denn niemand scheint ein Motiv zu haben. Umso mehr geraten die Ermittler unter Druck als auch noch eine Freundin der Ermordeten spurlos verschwindet.

In seinem ersten Fall steht Rolando Benito, der dänische Polizist mit italienischen Wurzeln, nicht einmal besonders im Mittelpunkt. Die Reporterin Anne Larsen und ihre Fotografin sind des öfteren schneller als er mit dem Finden und Entschlüsseln von Hinweise. Die beiden Frauen setzen ihre Spürnasen mit großem Eifer dafür ein, die Hintergründe des grausamen Mordes zu entschlüsseln. Dabei kämpfen sie nicht nur um die Wahrheit, sondern sie kämpfen auch mit den Wunden, die ihre eigenen Leben bestimmen. So scheint Anne immer auf der Flucht zu sein und Kamilla muss den tragischen Unfall ihre kleinen Sohnes verkraften, der leider einen tödlichen Ausgang hatte.

Obwohl der Roman einen interessanten und spannenden Ansatz hat, bleibt gerade der Ermittler, nach dem die Reihe benannt ist, etwas flach und blass. Den beiden Pressemitarbeiterinnen und ihren privaten Traumata wird dagegen zumindest gefühlt mehr Platz eingeräumt. Dadurch wirken die beiden weiblichen Protagonistinnen viel lebendiger als der eigentliche Ermittler und sein Team. Etwas mühsam ist es bei den ausführlich geschilderten Problemen der Ermittler/Presseleute den eigentlichen Fall nicht aus den Augen zu verlieren. Zwar halten spannende und unerwartete Entwicklungen immer wieder bei der Stange und wecken die Neugier am Ausgang des Kriminalfalles, doch so ganz will der Funke nicht überspringen. Dennoch ein lesenswerter Krimi, der allerdings ein wenig mehr Tempo gebrauchen könnte.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)


Der Schrei der Kröte von Inger Gammelgaard Madsen (gelesen in der ebook-Fassung des SAGA-Egmont Verlages)

ISBN: 978-3-955-10106-0 (der Taschenbuchfassung des Osburg-Verlages)


Donnerstag, 4. Mai 2017

Der schöne Ludwig

Die Journalistin bei Tag 7 Ira Wittekind möchte auch einmal frei haben und so ist geplant, auf den Rehmer Markt zu gehen, eine kleine Kirmes im beschaulichen Bad Oeynhausen. Wie so oft kommt es jedoch anders. Die nahegelegene Friedhofskapelle am Mooskamp brennt und natürlich begibt sich Ira wie es der Beruf verlangt an den Ort des Geschehens. Was erst ein mysteriöser Brand zu sein scheint, entpuppt sich schnell als schlimmeres Verbrechen. In der Kapelle wird eine Leiche gefunden, die offensichtlich verbrannt ist. Hierbei soll es sich um den schon älteren und beliebten Apotheker Ludwig Hahnwald handeln. Für ihre Zeitung berichtet Ira Wittekind von den Ereignissen.

Jeder Mensch hat eine Geschichte, nicht immer ist es eine schöne Geschichte, doch beginnt man nachzufragen, wird man häufig herausfinden, dass hinter einer vermeintlich normal unauffälligen Fassade doch mehr verborgen sein kann. Eine Reporterin, die nicht auf die Lösung eines Falles beschränkt ist, kann sich Zeit nehmen, einem Menschen nahe zu kommen. Und so macht sich Ira Wittekind auf, Ludwig Hahnwalds Geschichte zu entdecken. Allgemein beliebt war der ältere Herr, doch auch Schicksalsschläge musste er erleiden. So ist sein Sohn an einer Erkrankung verstorben und auch seine erste Ehefrau verstarb früh. Nun hinterlässt er eine Witwe, die um etliches jünger ist als er. Und je weiter Ira recherchiert, desto mehr Details aus dem Leben des Apothekers erfährt sie.

In ihrem dritten Fall kommt die Journalistin Ira Wittekind einem ganz erstaunlichen Geschehen auf die Spur. Denn wer soll schon einen Grund haben, ein angesehenes Mitglied der Gemeinde vom Leben in den Tod zu befördern. Erst ruhig doch mit dem Fortschreiten der Ermittlungen immer spannender entwickelt sich die Recherche. Hinter der Fassade steckt mehr als man ahnt, das Leben des Apothekers war turbulenter und einige Charakterzüge werden ans Licht gefördert, die es durchaus erschweren den schönen Ludwig sympathisch zu finden. Umso sympathischer wirken dagegen die resolute Ira Wittekind und ihr Freund Andy. Und noch einige andere liebenswerte Charaktere sind in Iras Umgebung zu entdecken. Lediglich ein Nebenstrang lenkt etwas von der fesselnden Geschichte ab, was aber sicher beabsichtigt ist. Auch im schönen und beschaulichen Bad Oeynhausen ist man vor Verbrechen nicht gefeit. Mit feinem Lokalkolorit beschreibt die Autorin die Ereignisse und dies wird durch die wunderbare Lesung von Vera Teltz noch unterstrichen, ohne dabei zu übertreiben.

Ein sehr gelungener Kriminalroman, mit dem die Lokalreporterin Ira Wittekind, die die Leser sofort für sich einnimmt, einem größeren Publikum vorgestellt wird.


Sowie ersichtlich werden wird zumindest auch der erste Band der Reihe demnächst im Heyne-Verlag veröffentlicht, der zweite und dritte Band sind bei Graufisch Medien erschienen. 


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Mordkapelle von Carla Berling
ISBN: 978-3-837-13843-6


Montag, 1. Mai 2017

Alles wie es war

Bereits seit fünf Jahren scheint Commissario Michele Balistreri mit allem abgeschlossen zu haben. Kurz vor der Pensionierung mit kaputtem Knie schleppt er sich zwar noch jeden Tag zur Arbeit, viel mehr als Dokumente zu unterschreiben tut er aber nicht. Und so will er als Leiter der Mordkommission auch nichts mit dem vermeintlich erweiterten Selbstmord einer jungen Frau und ihrer kleinen Tochter nichts zu tun haben. Die Sache ist schließlich klar. Obwohl so klar ist sie wohl doch nicht. Die vierzigjährige Journalistin Linda Nardi beginnt mit Nachforschungen. Der Tot der jungen Frau und ihrer Tochter steht möglicherweise im Zusammenhang mit einer anderen Sache, der Linda auf der Spur ist. Überall tauchen die selben Leute auf.

Auch Commissario Michele Balistreri kann nicht mehr darüber hinwegsehen, dass es hier etwas aufzuklären gibt. Und wieder ergeben sich Hinweise auf eine Verbindung zu seiner eigenen Vergangenheit.In seiner Jugend lebte er mit seiner Familie in Tripolis und die ungeklärten Todesfälle in der Gegenwart rühren die Ereignisse von früher wieder auf. Nun heißt es, den Geheimnissen der Vergangenheit auf den Grund zu gehen, um in der Gegenwart überleben zu können. Balistreri muss sich mit den Geschehnissen von vor etwa vierzig Jahren endlich auseinander setzen, auch wenn er Angst vor dem hat, was er herausfinden könnte.

In diesem dritten Roman um Michele Balistreri, den römischen Kommissar, und seine Vergangenheit im fernen Tripolis fesselt Roberto Costantini mit fein ziselierten Zusammenhängen, die aufmerksam gelesen und bedacht werden wollen. Beziehungen zwischen den Drahtziehern in Libyen und Italien. Reiche, deren Ränkeschmieden an Frechheit kaum zu überbieten sind. Droht der arabische Frühling diesen Machenschaften ein Ende zu machen? Wie schon in den beiden Vorgängerbänden bestehen enge Verbindungen zwischen den Taten, die in der Gegenwart begangen werden und Micheles eigener Vergangenheit. Michele war nicht immer der ruhige besonnene Polizist und nun scheint es so als ob seine Vergangenheit ihn endgültig einholt. Intelligent und spannend verwebt der Autor die beiden Handlungsstränge, um endlich eine Wahrheit zu enthüllen, die perfide und nur schwer zu ertragen ist. Doch so wie alles in die Brüche geht, entwickelt sich auch etwas Neues. 


Eine Trilogie, die sowohl ein hervorragend inszeniertes politisches Komplott aufdeckt als auch mit immer gewagteren Enthüllungen über die Jugend des Commissarios aufwartet. Eine Trilogie, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Das Böse vergisst nicht von Roberto Costantini
ISBN: 978-3-570-10257-2