Matthew de Clairmont und seine Frau Diana Bishop sind wieder im Sept Tours der Gegenwart angekommen. Doch lange währt ihre Ruhepause dort nicht, schnell wird klar, dass Baldwin, der nun das Haus Clairmont führt, nicht hinter ihnen steht. Sie beschließen daher, die Geburt ihrer Kinder in Dianas Heimat zu erwarten. Es ist als habe das Bishoph Haus sie erwartet. Unerwartet schneit auch Besuch ins Haus, Chris Roberts ein Freund Dianas und Professor macht ihr große Vorwürfe, weil sie wie verschwunden war. Matthew und Diana, die nach einem geeigneten Labor suchen, um ihre Forschungen über ihre unterschiedlichen Genome fortführen zu können, lassen sich diese Gelegenheit nicht entgehen. Roberts erweist sich dabei als hilfreicher Freund und neugieriger Forscher.
Eine Beschreibung kann diesem Buch nicht gerecht werden. Zu viele unterschiedliche Themen sind mit feinster Balance vermengt. Man könnte fast an einen Teig denken, der die Grundlage eines perfekten Gebäcks ist. Die große Liebe zwischen Diana und Matthew schwebt über allem, doch ebenso die Liebe zu ihren Häusern mit ihren zahlreichen Mitgliedern. Die Erhaltung des althergebrachten und die gleichzeitige Formung von etwas Neuem. Die Forschung nach dem Genom und dem gebannten Buch liest sich fast wie ein Thriller. Mächte, die gegen Diana und Matthew wirken im Kampf mit ihren treuen Verbündeten. Die Suche nachdem Ursprung, nach dem Geheimnis ihrer Kinder. Eine unendliche Vielfalt, in der man nie den Überblick verliert, die einen jede Seite mit Spannung umblättern lässt, in Erwartung weiterer Enthüllungen.
Dieser Abschluss der „All Souls“ Trilogie ist mehr als gelungen. Ein Buch, in dem man versinken kann. Man wandelt auf Dianas und Matthews Pfaden, erlebt mit, wie sie die Welt weben. Kreativ und mutig überwinden sie Wiederstände und Hindernisse und schaffen Neues, ohne das Alte völlig zu zerstören. Wenn es doch nur im wirklichen Leben manchmal so zuginge. Ein inspirierendes Werk, dass gleichzeitig fesselt wie ein Thriller und berührt wie ein Liebesroman.
Und hier die Leseprobe der deutschsprachigen Ausgabe:
Sonntag, 27. September 2015
Freitag, 25. September 2015
Heartwood
Von Earl Deitrich herablassend behandelt wird Wilbur Picket auch noch bezichtigt, eine wertvolle Uhr und einige Aktien gestohlen zu haben. Sein Anwalt Billy Bob Holland versucht, ihn auf Kaution frei zu bekommen, denn Wilburs Frau ist seid ihrer Geburt blind und braucht seine Hilfe. Durch dieses Mandat erneuert Billy Bob die Bekanntschaft zu seiner Jugendliebe Peggy Jean, die inzwischen mit Earl verheiratet ist. Heikel wird die Sache nicht nur dadurch, sondern auch dadurch, dass nach und nach mehrere Zeugen in der Sache auf unnatürliche Weise zu Tode kommen.
Mit einem schlichten Diebstahl beginnt es doch recht harmlos, doch bald schon gibt es mehr Tote als man je erahnen konnte. Deaf Smith in Texas ist recht überschaubar, so dass jeder jeden kennt und beinahe jeder Verbindungen zu irgendjemandem hat. Für die Gesundheit gewisser Leute ist das nicht immer zuträglich, denn wenn einer seine Position bedroht sieht, findet er auch welche, die für ihn aufräumen. Und durch dieses Geflecht stolpert Billy Bob Holland, dessen Blick durch die wehmütigen Jugenderinnerungen und die vage Chance auf deren Auffrischung doch etwas getrübt ist. Je mehr er merkt, dass Peggy von heute nicht mehr die von damals ist, desto intensiver arbeitet er sich in die Verteidigung seines Mandanten ein.
Zunächst etwas holprig nimmt dieser uramerikanische Krimi doch bald Fahrt auf. Ein Gemälde über die verkommenen Sitten einer kleinen Stadt im Süden von Texas, in der West End gegen East End ist, die Jugend der vermeintlichen Oberschicht verruchter als es eine gute Erziehung erlauben sollte. Banden, Mexikaner, Indianer und einige wenige Lichtgestalten, die einem den Glauben an das Gute erhalten können. Eine Gegend, in der die Anwälte mitunter noch zu Pferde unterwegs sind und dabei nicht fehl am Platze wirken. Menschen mit gewaltigen Rissen in der Seele, manche von ihnen sind verdammt, für manche kann es eine Rettung geben und manche bleiben einfach wie sie sind. Ein Buch, in das man sich hineinlesen muss, das dann aber mit einer Welt begeistert, deren Hitze man förmlich zu spüren meint.
4 Sterne
Feuerregen von James Lee Burke
ISBN: 978-3-95530-288-7
Mittwoch, 23. September 2015
Das Buch Hiob
Der Lehrer an einer jüdischen Schule in Zürich wird tot aufgefunden. Die Gemeindemitglieder sind entsetzt. Rabbi Klein muss sich einer Aufgabe stellen, von der er nie erwartet hätte, dass sie auf ihn zukommt. Lehrer Berger war beliebt, aber dennoch ohne Verwandte. Kommissarin Bänziger bedient sich seiner Sprachkenntnisse des Hebräischen, weil die amtliche Übersetzerin ausgefallen ist. Und so wird der Rabbi an den Ermittlungen beteiligt, zu denen er sich als Gemeindevorstand beinahe für besser geeignet hält als die Polizei.
Tatsächlich erfährt der freundliche aber auch neugierige Rabbi einige Details aus dem Leben des Opfers, die bisher unbekannt waren. Allerdings erweckt er den Eindruck, als lasse seine bessere Kenntnis der internen Strömungen der kleinen Gemeinde ihn etwas selbstgerecht werden. Mit seiner Einmischung verhilft er Kommissarin Bänziger zwar zu einigen Erkenntnissen, doch verdreht er auch Details, was zu Entwicklungen führt, deren Ausgang das Gewissen des Rabbis belasten.
Schon etwas enervierend wie besserwisserisch Rabbi Klein auftritt, anstatt offen mit der Kommissarin zusammen zu arbeiten, meint er den Fall selbst aufklären zu können, da er die Mentalität seiner Gemeindemitglieder besser einzuschätzen versteht als die Polizei. In Teilen mag das sicherlich stimmen, doch kann man auch den Eindruck gewinnen, ohne die zweifelhafte Mitarbeit des Rabbis hätte sich einiges verhindern lassen. Gewitzt ist er dieser Rabbi, eine gute Frau hat er und liebenswerte Töchter, doch lieber hätte er, wie es die Kommissarin bemerkt, kein Polizeibüro aufmachen sollen.
Einen interessanten Einblick in das Wirken des Rabbis in seiner Gemeinde gewährt der Autor seinen Lesern. Seine große Kenntnis über das jüdische Zürich bereichert ungemein und auch die Aufklärung des Todesfalls gestaltet sich überraschend und spannend. Schwierig jedoch wird es für den unkundigen einigen Gedanken des Rabbis zu folgen. Am Ende wünscht man sich zwar, beim nächsten Mal möge er schlauer sein, man wünscht sich aber auch, es möge ein nächstes Mal geben.
3,5 Sterne
Kains Opfer von Alfred Bodenheimer
ISBN: 978-3-312-00628-1
Sonntag, 20. September 2015
Die St. Louis
Der ehemalige Polizist Mario Conde, der sich als Antiquar betätigt, erhält den Auftrag, aufzuklären, wieso ein verschwunden geglaubtes Gemälde in London zur Versteigerung angeboten wird. Elias Kaminsky, der Sohn eines Exil-Kubaners, in dessen Familienbesitz sich das Gemälde, bei dem es sich um einen Rembrandt handeln soll, befand, will die Geschichte seines Vaters Daniel Kaminsky in Kuba erleben und den Weg des Bildes klären. Bei seinen Nachforschungen stößt Conde zunächst auf die Reise des Passagierschiffs St. Louis, das im Jahr 1939 mit über 900 jüdischen Flüchtlingen vor Havanna ankerte, denen schließlich die Einreise verweigert wurde. Unter diesen Passagieren befinden sich auch die Eltern Daniels, der bei seinem Onkel untergekommen ist.
In drei Teilen berichtet der Autor vom Schicksal des Bildes und vom Schicksal derer, die mit ihm auf verschiedensten Wegen in Berührung kamen. Da ist zunächst die ungeheure Geschichte der St. Louis, bei deren Lektüre man sich wieder einmal fragen muss, wann die Menschen je etwas lernen werden. Sicher wartet niemand auf Flüchtlinge, doch manche Handlungen sollten einfach von Menschlichkeit bestimmt werden. Es folgt eine Reise in die Vergangenheit, die Aufschluss über die mögliche Entstehung geben kann. Und schließlich bekommt es Conde mit einem Vermisstenfall zu tun, in dem überraschend wieder eine Beziehung zu dem Bild zutage kommt.
Sehr unterschiedlich sind die drei Romanteile und doch verbindet sie das Bild. Ein Kaleidoskop mit prächtigen, dramatischen und düsteren Anteilen entblättert sich vor dem Leser. Mitgerissen von der tragischen Geschichte der Flüchtlinge auf der St. Louis, hingerissen von der Leidenschaft des E. A. und schließlich betrübt über das Schicksal eines jungen Mädchen und man sich zunächst klar werden über dieses anspruchsvolle Werk. Es verlangt dem Leser einiges ab und gibt doch so viel mehr. Leonardo Padura fordert seine Leser mit teilweise etwas überbordenden Ergüssen, allerdings belohnt er sie auch mit herausragend komponierten Schicksalen, die sich in das Gedächtnis einbrennen und die man nie missen möchte.
4 Sterne
Ketzer von Leonardo Padura
ISBN: 978-3-293-00469-6
Samstag, 19. September 2015
Reapers Inc.
In der Unendlichkeit arbeitet Lana Harvey als Ernterin von Seelen, dass heißt, sie holt sie im Moment ihres Todes ab und bringt sie sicher in den Himmel oder wo auch immer der Bestimmungsort der Seele ist. Leider ist Lana nicht besonders gut in ihrem Job. Gemeinsam mit ihrer Freundin Josie geht sie auf Seelenfang, wobei Josie so manches Mal ausbügelt, was Lana durcheinander gebracht hat. Aber wieso wird dann Lana befördert und zum alljährlichen Dinner des Komitees eingeladen. Angespannt gehen Lana und ihre Freunde zu dem Essen.
Ein Ort zwischen Himmel und Hölle, ein Umschlagplatz der Seelen, das ist Limbo-City, dort lebt (oder wie man das nennen will) Lana. Sie hat ganz normale Vorlieben wie Shoppen oder John-Wayne-Filme schauen, wäre da nicht ihr Job, würde sie sich nicht von dir oder mir unterscheiden. Doch so bringt sie die Seelen der Verstorbenen an ihren Bestimmungsort. Je nach deren Glaubensrichtung gibt es unterschiedliche Paradise oder Unterwelten. Um an den jeweils richtigen Platz zu gelangen muss der See überquert werden und die Überfahrt ist nicht immer ruhig. Immer häufiger finden Angriffe von Dämonen statt. Mit dem ungestörten Partyleben scheint es langsam dem Ende entgegen zu gehen.
Eine Sensenfrau, die durch ihren Beruf stolpert und der ihre Freunde und ihre Freizeit wichtiger sind. Eine witzige Idee, die neugierig macht. Angehöriger verschiedenster Religionen müssen sich die Nachwelt teilen und kooperieren. Eine Verwaltung regelt die Verteilung der Seelen, die nicht immer so wollen, wie geplant. Dazu Lana eine fast normale Sensenfrau, mit Träumen und Wünschen, nicht mit Arbeit belastet. Hin und her gerissen ist man als Leser zwischen Gähnen, da einige Schilderungen etwas langatmig geraten sind und teilweise die Shoppingergüsse nicht erkennen lassen, wie hier eine Handlung vorangebracht wird, und Schmunzeln bei witzigen Dialogen, Spannung bei mitreißenden Kampfszenen, Rührung bei den Ernteszenen. Ein Buch, das zwar schon positiv ankommt, eine Reihe jedoch, die man nicht zwingend weiterverfolgen muss.
3 Sterne
Graveyard Shift (Reapers Inc. #1) von Angela Roquet
ISBN: 978-1-4800-0418-4
Freitag, 18. September 2015
So lala
„Oma lässt grüßen uns sagt es tut ihr leid“ erzählt die Geschichte einer einzigartigen Beziehung zwischen Oma und Enkel. Elsa ist 7 und ein besonderes Kind, nicht nur weil Oma ihr einziger Freund ist, sondern auch da sie eine wandelnde Wikipedia Enzyklopädie ist und Super Helden liebt. Gar nicht so einfach, als ihre Oma, ihre Heldin des Alltags stirbt. Zu Lebzeiten hatte sie ihre Enkeln mit Märchen aus dem Fast-noch-wach-Land Land verzaubert und für allerlei Aufregung und Abenteuer gesorgt. Doch Oma hinterlässt Elsa auch eine Schnitzeljagd, auf die Elsa sich willigt einlässt.
Frederik Backmans Geschichte verwebt Märchen uns Realität auf einzigartige Weise. Von der Idee her, gefällt mir dies sehr gut. Leider aber, waren mir die Märchen zu fantasylastig, der Realitätsbezug blieb stets etwas rätselhaft. Auf diese Weise blieb mir das Fast-noch-wach-Land streckenweise sehr fremd, der tiefere Sinn blieb mir des Öfteren verborgen. Sehr gerne hätte ich mehr über Omas und Elsa Beziehung und deren Abenteuer gelesen. Diese Stellen haben mir besonders gut gefallen. Elsa erschien mir für ihr Alter zwar mitunter etwas unrealistisch weit voraus, dennoch fand ich viele ihrer Ausführungen erhellend, zumindest erfrischend. Einige Stellen haben mich ins Schmunzeln gebracht.
Das Buch war okay konnte mich aber nicht begeistern. Vielleicht war es einfach die falsche Zeit für dieses Buch. Dem Vorgänger werde ich sicher noch einmal eine Chance geben.
© Britta Kalscheuer
3 Sterne
Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid von Fredrik Backman
ISBN: 978-3-8105-0481-4
Frederik Backmans Geschichte verwebt Märchen uns Realität auf einzigartige Weise. Von der Idee her, gefällt mir dies sehr gut. Leider aber, waren mir die Märchen zu fantasylastig, der Realitätsbezug blieb stets etwas rätselhaft. Auf diese Weise blieb mir das Fast-noch-wach-Land streckenweise sehr fremd, der tiefere Sinn blieb mir des Öfteren verborgen. Sehr gerne hätte ich mehr über Omas und Elsa Beziehung und deren Abenteuer gelesen. Diese Stellen haben mir besonders gut gefallen. Elsa erschien mir für ihr Alter zwar mitunter etwas unrealistisch weit voraus, dennoch fand ich viele ihrer Ausführungen erhellend, zumindest erfrischend. Einige Stellen haben mich ins Schmunzeln gebracht.
Das Buch war okay konnte mich aber nicht begeistern. Vielleicht war es einfach die falsche Zeit für dieses Buch. Dem Vorgänger werde ich sicher noch einmal eine Chance geben.
© Britta Kalscheuer
3 Sterne
Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid von Fredrik Backman
ISBN: 978-3-8105-0481-4
Der Anwalt
Für seine Eltern hat er nicht viel übrig, deshalb lebt der junge Anwalt Antoine Demarsand lieber in Kalifornien und blufft seine Gegner, um einen lukrativen Abschluss zu erzielen. Erst der Tod seiner Mutter führt ihn zurück in die Schweiz. Dort erwartet ihn seine Schwester Sofie, die einzige der Familie, der er etwas Sympathie entgegenbringt. Trauer empfindet Antoine nicht, umso überraschter ist er, dass er doch heftig reagiert, als ein Geschichtsprofessor ihn mit der Nachricht konfrontiert, sein Vater sein ein Kollaborateur der Nazis gewesen. Doch was für eine Bedeutung soll das fünfzig Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs noch haben. Antoine beginnt die Geschichte seiner Familie zu erforschen.
Zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechselt die Perspektive zu Beginn des Romans und auch im weiteren Verlauf wechseln sie Schauplätze mitunter so schnell, dass schon ein Blinzeln zu einer kleinen Irritation führen kann. Dennoch hat der Autor eine rasante Geschichte entwickelt, in der Vergangenheit und Gegenwart geschickt verknüpft sind. Gelöschte Konten der Schweizer Banken mit Guthaben, deren Herkunft zweifelhaft ist oder deren Auszahlung verhindert wird, weil es angeblich keinen Nachweis über die Rechtmäßigkeit der Forderungen gibt. Doch wie soll ein Nachkomme beweisen, dass ein lieber Verwandter im Konzentrationslager umgekommen ist. Allerdings geht es letztlich eher darum wie schmutziges, unrechtmäßig erworbenes Nazivermögen den Weg über den Krieg hinaus genutzt wurde. Um dieses Geheimnis zu bewahren, gehen die Beteiligten über Leichen.
Ob man die Entwicklung des strahlenden und doch arroganten Anwalts zum integren Bewahrer des Rechts, der keine gefährliche Situation scheut und jedem Angriff auf sein Leben knapp entrinnt, nachvollziehen kann, mag etwas dahingestellt sein. Unabhängig davon hat der Autor ein Thema aufgegriffen, dass nie an Brisanz und Aktualität verliert. Verschwundene Nazi-Reichtümer, die unrühmliche Rolle der Schweizer Banken, der Krake der Vergangenheit, der auch in der Gegenwart keine Ruhe lässt. Eine wahre Achterbahnfahrt aus Information und Aktion treibt den Leser durch die Handlung, die alles hat, was zu einem packenden Thriller gehört. Da möchte man gerne wissen, ob die Verhinderung gewisser Ereignisse gelingen kann.
4 Sterne
Im Namen des Blutes von Pierre Simenon
ISBN: 978-3-8090-2620-4
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