Sonntag, 4. Juni 2023

Unendlichkeit

Sie gehörte mal zu den It-Girls an der Schule. Doch irgendwann hat ihr Vater die Familie verlassen und das hat ihre Mutter aus der Bahn geworfen. Und nun ist es Natasha, die den kleine Rest der Familie zusammenhält. Geld ist nicht mehr da und Zeit für die Schulaufgaben auch nicht. Nun ist Natasha bei den Losern, eigentlich nicht einmal das. Sie ist allein. Nur ihr Kumpel Mason hält zu ihr und die Neue an der Schule Elodie. Diese lädt Natasha in einen mondänen Club ein, wodurch Natashas Leben erneut durcheinander gerät und sie landet an der geheimnisvollen Gray Wolf Academy. 


Bei diesem Roman handelt es sich um den ersten Band der Gray Wolf Academy Reihe, von der auch zweite Band bald erscheint. Natasha gerät in eine eigentlich unlösbare Situation, in der ihr die Einladung an die Academy als einziger Ausweg erscheint. Doch dafür muss sie alles hinter sich lassen und auf das Versprechen vertrauen, dass es ihrer Mutter gut gehen wird. So einfach ist es aber auch an der Academy nicht. In den ersten Tagen und Wochen ist Natasha dort ebenfalls relativ allein, weil sie einfach noch nicht den Statur der anderen hat. Auf Elodie kann sich Natasha nicht verlassen, wohingegen Braxton sie unterstützt - zum Glück.


Wenn man auf mehreren Seiten auf den Roman gestoßen ist, wird man doch neugierig. Zu viel verraten werden soll hier nicht, aber ein gerne gelesenes Thema von Fantasy oder Science Fiction wird ihr in einem Jugendroman verarbeitet und fesselnd mit der richtigen Portion Emotionalität dargebracht. Mit Geheimnissen gespickt ist das Leben an der Academy, der hippe Schein täuscht etwas, die Studenten verfolgen ihre eigenen Ziele und Natasha findet nach und nach einiges  heraus. Braxton bietet Wärme und Halt, aber auch er erzählt nicht alles. Wem kann man trauen? Worum geht es? Gibt es einen Plan? Mit einigen Hinweisen wird man gepackt und neugierig gemacht, auf den nächsten Band. 


Das gelungene Cover dieses Jugendromans gibt bei genauer Betrachtung einen kleinen Hinweis auf den Studieninhalt der Academy. Da kann sich gerne etwas Zeit zur Betrachtung lassen.


4 Sterne


Stealing Infinity von Alyson Noël

ISBN:  978-1-64937434-9



Die deutschsprachige Ausgabe ist bei DTV unter der ISBN: 978-3-423-76420-9 erschienen: 








Mittwoch, 31. Mai 2023

Geheime Besucherin

Nachdem sie die Baumschule fünfzig Jahre lang wohl überlegt geführt hat, ist Luise von Schwan Ende des Jahres 1978 verstorben. Am 28. Dezember 1978 soll sie bestattet werden. Allerdings macht der heraufziehende Wintersturm dies unmöglich. Die Anteilnehmenden aus dem Dorf schaffen es gerade noch nach hause und die Familie macht sich auf den Weg zum Gut. So eng aufeinander saß die Familie schon lange nicht mehr. Klementine, Luises jüngere Schwester, deren Söhne Carl und Jo, Carls Frau, Caroline, Jos Tochter und Isa, die alte Vertraute und Haushälterin von Luise. Doch das enge Beisammensein kommen auch Themen zur Sprache, über die sonst geschwiegen wird.


Das Schicksal der von Schwans seit Gründung der Baumschule, aber hauptsächlich während und nach dem zweiten Weltkrieg, ist ein Hauptthema dieses Romans. Vor dem Hintergrund des großen Winterunwetters über den Jahreswechsel 1978/79 entfalten sich die familiären Beziehungen der Familie. Als am Abend plötzlich der Pastor mit einer jungen Frau auf dem Gut auftaucht, müssen sich die Familienmitglieder auch den letzten Geheimnissen stellen. Das Schweigen muss gebrochen werden. Die junge Generation hat ein Recht darauf, auch das von den Älteren zu erfahren, was diese gerne für sich behalten würden. 


Von Verlusten geprägt ist das Leben der von Schwans und nicht nur das, auch Schuld haben die Älteren auf sich geladen. Auch wenn einige irgendwann vielleicht erkannt haben, dass unter dem Regime des dritten Reiches nichts Positives entstehen konnte, so haben sie doch bis zu einem gewissen Grad mitgemacht. Und nicht jeder sieht etwas ein. Auch die folgende Generation mit ihrem sich einfügen oder sich auflehnen, ist von der Kriegszeit geprägt. Kann unter diesen Voraussetzungen eine Entwicklung zum Besseren einsetzen? Möglicherweise entsteht erst in der Enkelgeneration die Kraft zum Neuanfang. Mit bewegenden Worten berichtet die Autorin von einer Zeit, die die meisten wahrscheinlich nur in Teilen miterlebt haben, und für die etliche zu jung sind. Dieser zeitgeschichtliche Roman bietet neben einer spannenden und aufwühlenden Familiengeschichte, auch einen Anreiz über den Hintergrund der eigenen Familie nachzudenken und sich in Erinnerung zu rufen. Auch da gab es möglicherweise Schuld, Verlust und Flucht und doch auch einen Neustart, der aber nie die Erinnerung überdecken sollte. Ein überraschend klares Buch, das zu lesen sich lohnt.


4 Sterne 


Unter dem Schnee von Katrin Burseg

ISBN: 978-3-453-29112-2



 

Montag, 29. Mai 2023

Rosa Lippenstift

Ernst Mannsen ist ganz verwirrt. Die liebenswerte, aber etwa unscheinbare Gemeindemitarbeiterin Hilke trägt plötzlich Lippenstift und farbenfrohe Kleidung. Wenn sie mal nicht einem Heiratsschwindler aufgesessen ist. Ernst muss unbedingt Schlimmeres verhindern. Und so kommt es, dass sein Enkel Mads ihm ein Profil auf der Online-Dating-App erstellt. So richtig was zu suchen hat der mit seiner Gudrun glücklich verheiratete Ernst natürlich nicht, aber wenn es der Rettung von Hilke dient, dann wird er sein ganzes Geschick einsetzen. Dass Ernst dabei den einen oder anderen Auftrag vergisst, den Gudrun erteilt hatte, lässt sich kaum verhindern.


Wenn einem die Namen von Ernst Mannsen und seinen Sylter Freunden und Bekannten irgendwie bekannt vorkommen, dann könnte das an „Geld oder Lebkuchen“ erinnern, wo der ehemalige Zollbeamte und verhinderte Polizist Ernst schon einmal schlimmere Verbrechen zu verhindern suchte. Im vorliegenden Band geht es auch wieder lustig zu, wenn auch das Thema durchaus auch ernste Momente hat. Man muss halt schon aufpassen in dieser Welt. Ernst jedenfalls tut sein Bestes, um seine Ermittler-Qualitäten ins beste Licht zu rücken. Schnell wird dann auch die Enkelgeneration mit ihrer technischen Expertise tätig, Manchmal scheinen die Jungen die Vernünftigen zu sein, da müssen sie den Älteren gegenüber auch einfach mal nachgeben.


Durch diese Fast-Romanze führt die Vorleserin Katja Danowski mit traumwandlerischer Sicherheit. Sie verleiht dem Hörbuch große Lebendigkeit. Auch dieses zweite Treffen mit Ernst Mannsen und seinem Sylt und den Inselbewohnern macht richtig Spaß. Mit Witz und Humor werden auch durchaus ernste Themen aufgegriffen, aber gelungen mit der einem Cozy-Crime  oder eben Romance angemessenen Leichtigkeit verarbeitet. Der aufrechte Ernst, der gerne die Welt, aber mindestens die Inselbewohner retten möchte, die dorfälteren Frauen, welche ihm dabei mit großem Einsatz helfen, die Enkel, die gegen die Älteren manchmal nur so in etwa bestehen. Humorig, ohne platt zu wirken. Das wünscht man sich von einem leichten und dennoch sehr intelligentem Roman, der ein paar Elemente eines Kriminalromans hat und bei dem es sich dennoch fast um eine Romanze handelt. 


4 Sterne


Geld oder Eierlikör: Fast eine Romanze von Dora Held

ISBN: 978-3-8337-4564-5






Donnerstag, 25. Mai 2023

Der Protokollant

Der Autor Anthony Horowitz fühlt sich manchmal eher wie der Co-Autor von Damiel Hawthorne, einem ehemaligen Polizisten. Mit diesem hat er einen Fall protokolliert und als Kriminalroman veröffentlicht. Bald soll es ein neues Buch geben und der Verlag meint, Horowitz und Hawthorne sollen zu einem Literaturfestival nach Alderney. Womit die beiden Herren, die sich nicht immer ganz grün sind, nicht rechnen, dass sie sich auf der beschaulichen Kanalinsel nicht nur mit Literatur beschäftigen werden. Zu dem Festival hat sich eine illustre Runde versammelt, etwas skurril, aber interessant. Nur der Mäzen scheint nicht die Freundlichkeit in Person zu sein.


Dies ist der dritte Roman, in dem der Autor Anthony Horowitz als Chronist des Privatdetektivs Daniel Hawthorne auftritt. Besonders am Anfang wird die Beziehung zwischen Verlag, Autor und Agent beleuchtet. Wobei der Ideengeber Hawthorne seinen Anteil an der schriftstellerischen Tätigkeit doch als überaus wichtig einschätzt,  schließlich hätte man ohne seine Nachforschungen keine Romane. Eigentlich ist Horowitz der Co-Autor, es ist ihm nur nicht so klar. Und Alderney ist doch ein nettes Reiseziel. Das der Mäzen schon am nächsten Morgen tot aufgefunden wird, führt natürlich dazu, dass Hawthorne unerwartet ermitteln muss. Möglicherweise hatte er auch noch einen ganz anderen Grund, an dem Festival teilzunehmen.


Der Anfang dieses klassischen Whodunit mit seinen Anspielungen auf das Verlagswesen und der Irritation des Autors über seinen selbstgerechten Co-Autoren ist wirklich klasse. Auf der Insel angekommen entwickelt sich der Roman mehr zu einem normalen Krimi, in dem eben Täter und Motiv gefunden werden sollen. Natürlich ist Hawthorne schlauer als die Polizei oder Horowitz. Und von sich eingenommen bleibt er immer. Dennoch verfolgt man gespannt, wie mögliche Motive eruiert und Verdächtige ausgeschlossen werden. Auch ist es vergnüglich, die Irrtümer des Autors zu erkennen. Wobei es beim Lesen nicht gelingt, das Rätsel selbst zu lösen. Da muss und darf man sich getrost auf Hawthorne verlassen, über dessen Persönlichkeit es etwas zu erfahren gibt. Diese Reihe ist lesenswert und das Hörbuch wird hervorragend vorgetragen von Uve Teschner. 


4 Sterne


Wenn Worte töten von Anthony Horowitz

ISBN: 978-3-8337-4626-0









Mittwoch, 24. Mai 2023

Theaterdonner

Lorenz Lovix hat einen neuen Fall: Beim Theater-Verein wurden schon mehrfach Requesiten und Kulissen zerstört. Die Obfrau Marianne hat Lorenz engagiert, damit er sich bei den Proben einschleust und undercover ermittelt. Doch auch sein bester Freund und ehemaliger Kollege bei der Polizei in Brixen hat große Probleme. Scatolin steht unter dem Verdacht, Informationen an einen Drogenring weitergegeben zu haben und er wurde vom Dienst suspendiert. Eine Katestrophe. Eigentlich will Scatolin nicht, dass Lorenz sich einmischt, aber, hallo, wozu sind Freunde da. Das nebenbei auch noch die Apfelernte begonnen hat, trägt zum Schlafdefizit des Neubauern bei.


Auch in seinem vierten Fall hat Lorenz Lovis einiges zu tun. Noch immer vermisst er seinen verstorbenen Onkel Sebastian, von dem er den Hof leider mit einigen Schulden geerbt hat. Das mit der Apfelernte ist ihm eigentlich zu viel, aber Geld muss reinkommen und dann muss die Arbeit getan werden. Zum Glück hat er ein paar gute Helfer, so dass er auch für seine Nachforschungen noch Zeit bleibt. Nur, womit er nicht gerechnet hat: Im Theaterverein darf er, um nicht aufzufallen, auf die Bühne. Und seine kleine stumme Rolle bekommt im Laufe der Proben  immer mehr Gewicht. Auch die jungen Assistenten von Lorenz sind wieder mit am Start.


Mit den Fällen von Lorenz Lovis kann man einfach nichts falsch machen. Beim Lesen kommt man in Urlaubsstimmung. Und spannende Unterhaltung gibt es obendrein. Das Leben als Landwirt und Privatdetektiv ist nicht so einfach für Lorenz. Vor allem zeitraubend sind die verschiedenen Aufgaben, was Lorenz merkt, wenn er wieder mal zu spät kommt. Sorgen macht er sich um seinen Freund Scatolin. Undenkbar, dass der ein Maulwurf sein soll. Aber wer könnte der Übeltäter sein? Genau genommen ist jeder auf dem Revier verdächtig. Und in der Theatergruppe sieht es ähnlich aus, viele könnten Schaden anrichten wollen. Und so folgt man Lovis, der seiner Intuition folgt und manchmal auch nachdenkt. Immer wieder entdeckt man etwas Neues an Lorenz und seiner Crew und sie bleiben schrullig, menschlich sympathisch. Eine Reihe, die man jedem Liebhaber von Kriminalromanen wärmstens ans Herz legen kann.


4,5 Sterne


Maulwurf von Heidi Troi

ISBN: 978-3-7104-0318-7






Montag, 22. Mai 2023

Retreat

Schon seit Monaten hat Nathalie nichts von ihrer Schwester gehört. Nach dem Tod ihrer Mutter vor einiger Zeit wollte Kit zu sich selbst finden und eine Therapie in Wisewood machen. Wisewood ist eine abgelegene Insel vor der Küste Maines. Dort lebt eine zurückgezogene Gemeinschaft, die Kurse und Therapien anbietet. Dann erhält Nathalie eine email, die sie in Besorgnis versetzt. Sofort macht sie sich auf den Weg nach Wisewood. Mit Schwierigkeiten kennt sich Nathalie aus, jedenfalls ist sie im Job als energisch, aber nicht beliebt verschrieen. Und so kommt sie ohne Einladung zum Bootsanleger. Auf der Insel angekommen, muss sie ihre Schwester erstmal finden.


Die schwierige Kindheit der Schwestern spiet eine nicht unbedeutende Rolle in diesen Stand Alone Thriller. Von den Kindheits- und Jugendtagen wird in Rückblenden erzählt. Auch während der Suche nach ihrer Schwester legt Nathalie die ihr typische Energie an den Tag. Muss sie ihre Schwester retten, weil sie einer Sekte anheim gefallen ist? Oder geht es doch eher um eine Therapie, die nach dem Tod der Mutter einfach hilfreich ist. Doch sollte Kit dann nicht bald bereit sein, die Insel zu verlassen? Und wieso zeigt sie sich nicht. Um mehr über Wsewood zu erfahren, nimmt Nathalie auch an Kursen teil. Doch schon am nächsten Tag soll sie die Insel verlassen.


Man kann sich dem Thrill dieses Romans nicht entziehen, Ein wenig hadert man jedoch, weil einem niemand so richtig sympathisch werden will und man den Eindruck hat, der wahre Übeltäter komme ungestraft davon. Die Überraschungen, die die Handlung bereithält, haben es allerdings in sich. Das Buch ist relativ schnell gelesen, weil man auch das letzte Rätsel lösen möchte, wobei es einem die Autorin nicht ganz leicht macht, da die Klärung des Hintergrundes manchmal etwas undurchsichtig wirkt. Dafür hat man aber einen klug konstruierten Thriller, der packend zu lesen ist.


3,5 Sterne


Willkommen in Wisewood von Stephanie Wrobel

ISBN: 978-3-471-36033-0






Sonntag, 21. Mai 2023

In der Familie

Nach dem Austernfest erwacht Karen Eiken Hornby in einem Hotelzimmer. Leider ist sie nicht alleine. Neben ihr liegt ihr Chef. Leise macht sich Karen davon. Am nächsten Morgen kommt die schreckliche Nachricht herein, dass die Ex-Frau ihres Chefs ermordet wurde. Damit gilt dieser als verdächtig und Karen muss oder darf die Ermittlungen leiten. Schnell stellt sich heraus, dass Susanne nicht besonders beliebt war, sie meinte wohl selbst, sie sei zu kurz gekommen und sie hat das ihre Mitmenschen auch spüren lassen. Sogar ihre Tochter hat sich abgewendet. Eine von Karen unangenehmen Aufgaben ist es, ihren Chef nach seinem Alibi zu befragen.


Bei diesem Roman handelt es sich um den ersten Band der Doggerland-Reihe. Kommissarin Karen Eiken Hornby stellt ihre Nachforschungen in Doggerland ein, eine heute nicht existierende Inselgruppe. Einen Landstrich dieses Namens gab es tatsächlich mal und zwar vor ewigen Zeiten als zwischen England und dem Kontinent noch eine Landbrücke bestand. Heutzutage ist die Gegend mit Wasser bedeckt. Für Karen ist es eine Chance, Ermittlungen zu leiten. Dennoch ist die Situation mit ihrem Chef sehr unangenehm und Karen fühlt sich manchmal unsicher, ob sie die Aufgabe meistern wird. Ganz leicht hat sie es sowieso nicht, denn sie hat einige Jahre im Ausland gelebt.


Wie schon zum zweiten Band geschrieben, müssen die Bände für das Verständnis nicht in der Reihenfolge gelesen werden. Jedoch kommt es einem doch ein wenig eigenartig vor, weil man hier gewissermaßen das Pferd von hinten aufzäumt. Die Autorin bleibt ihrem Stil treu, sie nimmt sich zu Beginn beinahe schon zu viel Zeit, um dann mit einer Auflösung aufzuwarten, bei der es plötzlich Schlag auf  Schlag geht. Einiges ist auch von Karens Vergangenheit zu erfahren, wodurch ihr Verhalten in einigen Momenten erklärt wird. Auch wenn es gerade am Anfang ein paar Längen gibt, so hat man einen interessanten Krimi, der mit unerwarteten Twists daherkommt.


3,5 Sterne


Doggerland - Fehltritt von Maria Adolfsson

ISBN: 978-3-471-35182-6