Donnerstag, 5. April 2018

Cold Case - fast


Wenn Kommissar Sasagaki einen Fall übertragen bekommt, dann löst er ihn, grundsätzlich jedenfalls. Als jedoch im Jahr 1973 ein Pfandleiher in einem verlassenen Haus tot aufgefunden wird, steht Sasagaki vor einem Rätsel, das unlösbar scheint. Er findet einfach kein Motiv. Nur ein Jahr darauf stirbt die Mutter einer Schülerin bei einem Unfall. Es gibt kaum Anzeichen, dass es kein Unfall war. Zwar wird geredet, es könne sich um Selbstmord gehandelt haben, ein Beweis findet sich nicht. Es gibt auch keine Anzeichen, dass die Ereignisse zusammenhängen. Lediglich der Sohn des Pfandleihers und die Tochter des Unfallopfers kennen sich. Nicht überraschend, wenn man die selbe Schule besucht.

Kommissar Sasagaki bleiben die beiden Todesfälle immer gegenwärtig. Er kann einfach nicht davon lassen, er will die Sache aufklären. Über zwanzig Jahre geht er seiner Arbeit nach, doch auch wenn die offizielle Ermittlung schon längst eingestellt ist, im Hintergrund wirkt der Kommissar weiter. Er behält die beiden jungen Leute immer im Blick und findet doch keine Lösung. Doch immer wieder gibt es winzige Hinweise, die sich ganz langsam zu einem Bild fügen. 

Fast beiläufig wird die Geschichte eines Mordes und seiner Hintergründe erzählt. In kleineren oder größeren zeitlichen Abständen werden Handlungsteile wie Kurzgeschichten erzählt, in denen die kleinen Hinweise, die nach und nach auftauchen, einen Zusammenhang herstellen. Eine Verbindung, die schließlich dazu führt, dass sowohl der Leser als auch der Kommissar eine Erklärung für die Geschehnisse findet, die vor so langer Zeit ihren Anfang nahmen. Dabei nimmt der Autor sich Zeit. Man kommt zuweilen nicht umhin, sich zu fragen, was eine Episode zum Ganzen beiträgt. Doch würde man meinen, das Geschriebene erfülle keinen Zweck, dann kennt man den Autor schlecht. Keigo Higashino, dessen Romane in Deutschland erst in den letzten Jahren entdeckt wurden, versteht es hervorragend zu fesseln. Er entwickelt mit seinen Handelnden Persönlichkeiten, die sich immer durch irgendetwas auszeichnen. So ist sein Sasagaki ein ruhiger ausdauernder Ermittler, der nicht locker lässt. Täter und Opfer sind durch ein Beziehungsgeflecht verbunden, das aufmerksam zu betrachten und erst nach eingehender Lektüre zu durchschauen ist. Vielleicht ist dieser Kriminalroman von hoher Qualität nicht ganz leicht zu lesen, aber dennoch handelt es sich um eine Lektüre, die man sich nicht entgehen lassen sollte.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Unter der Mitternachtssonne von Keigo Higashino
ISBN: 978-3-608-11043-2


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