Mittwoch, 6. Dezember 2017

Puppenspieler

Beinahe zehn Jahre sind seit dem Schulabschluss vergangen und auf Vorschlag und Einladung von Bryan trifft sich die Clique wieder. Zwar haben sich manche der alten Freunde und Freundinnen zögerlich auf den Weg gemacht, aber schließlich sind doch alle neugierig und gespannt auf die Wanderung durch die Fjorde Neu Seelands, die Bryan geplant hat. Enthusiastisch machen sie sich auf den Weg: Bryan, Jack, Kain, Adam, Sharon, Callie, Rachel und Erica. Schnell jedoch merken die Freunde, dass die Wanderung viel schwieriger ist als für untrainierte Touristen angenehm. Nicht nur körperlich ausgesprochen anstrengend, auch seelisch wird der Trip zu einer Belastung, da auch alte Geschichten wieder hoch kommen, die längst überwunden geglaubt waren.

Eine kleine Gruppe in der Wildnis angewiesen auf einen Leiter, der sein eigenes Spielchen spielt. Wie lange kann das gut gehen? Es dauert nicht lange, bis den Freunden klarwird, dass dieser Ausflug anders verlaufen wird als erhofft. Wie war das damals mit Liana? Wer hat was gewusst, was hat sie wem gesagt, wie hat sie Menschen gegeneinander ausgespielt? Liana lebt seit eben fast zehn Jahren nicht mehr. Warum hat Bryan die Gruppe wirklich wieder zusammengeführt. 

Bei den Schilderungen der Pfade, die die Gruppe junger Leute eher zwangsweise bewandert, sieht man die rauen Landschaften Neu Seelands geradezu vor sich. Sattes Grün, schroffe Felsen, unwirtliche Wetterbedingungen und dann wieder das Aufblitzen eines Sonnenstrahls, der für Minuten alle Qual vergessen macht. Gelungen ist auch die Schilderung einmal hauptsächlich aus Sicht Callies und einmal aus Sicht der Suchmannschaft, die sich nach einer Weile auf den Weg macht. Zwar sind die Innenschauen der Beteiligten manchmal etwas anstrengend, doch insgesamt ist der Roman, der als erster Band der Wild Crimes Reihe an den Start geht, sehr spannend. Die unterschwelligen Gefühle, Bestrebungen und Schwingungen zwischen den Mitgliedern der Wandergruppe, die sich ungeahnten Gefahren gegenüber sieht, lösen bei der Lektüre Gedankenwirbel aus. Man versucht sich in die Lage der einzelnen Personen hineinzuversetzen. Am ehesten erinnert die Erzählung an eine „Closed Room Geschichte“, da die meisten der Interaktionen auf die kleine Gruppe beschränkt sind. 


Wenn man Storys, die letztlich einen eng umgrenzten Handlungsrahmen haben, mag, wird man von diesem psychologisch raffinierten Thriller sicher mit spannungsreicher Unterhaltung versorgt.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Verschollen in der Poison Bay von Belinda Pollard
ISBN: 987-0-9942098-7-0


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